Der schöne Dschungel in Hamburg

In meiner Lieblingsstadt muss man keine stundenlange Wanderung unternehmen, um Natur (fast) pur genießen zu können. Wer auf dem Alsterwanderweg nur ein paar Kilometer spaziert, joggt oder radelt, bringt den eigenen “Naturhaushalt” schnell wieder ins Gleichgewicht und trifft dazu auch noch eine schwergewichtige alte Bekannte aus dem Fernsehen.  | Direkt zu den Tipps

Am Antjebrunnen in Hamburg-Poppenbüttel. Das Walross ist vorn...

Antje weist den richtigen Weg. Wer vom S-Bahnhof Poppenbüttel kommend den Alsterwanderweg erreichen will, passiert  schon fast zwangsläufig das frühere Maskottchen des NDR. Bis 2001 schwabbelte das 750 Kilogramm schwere Pazifische Walross allabendlich über die Bildschirme in Norddeutschland. Zwei Jahre später starb Antje in Hagenbecks Tierpark, vermutlich an Altersschwäche. Immerhin ist das Tier mit 27 Jahren deutlich älter geworden, als die meisten seiner Artgenoss*innen. Der schwergewichtige TV-Star wurde nach dem Tode konserviert und kann im Zoologischen Museum der Universität Hamburg besichtigt werden. Die Bronze-Plastik des Walrosses steht als gelegentlich wasserspeiende Brunnenfigur am Alstertal-Einkaufszentrum in Hamburg-Poppenbüttel.  

Etwa 200 Meter weiter, nach Überqueren der Poppenbüttler Landstraße, treffen wir auf den Alsterwanderweg. Der endet dort, wo die insgesamt nur 56 Kilometer kurze Alster in die Elbe fließt: An der Otto-Sill-Brücke, gleich neben der U-Bahn-Station Baumwall im Hamburger Hafen. Von dort könnt ihr den Lauf der Alster flussaufwärts  weiterverfolgen, vorbei am Rathaus, entlang der Binnen- und Außenalster, durch die Stadtteile Eppendorf und Alsterdorf bis zur Ratsmühlenschleuse in Ohlsdorf. Hier beginnt der naturbelassene Teil der zuvor kanalisierten Alster. Und es wird erst so richtig schön, wenn sich das Flüsschen  anschließend durch den Teetzpark schlängelt. 

Blick vom Alsterpark an der Außenalster
Kanufahrer auf dem Schleusenteich vor der Poppenbüttler Schleuse

Wir machen jetzt einen Sprung von etwa fünf Kilometern, immer entlang der Alster bis zur Poppenbüttler Schleuse. An der Bootsrampe des davor liegenden Schleusenteichs legen gerade ein dutzend Kanufahrer an, die von ihrem Sonntagsausflug auf dem oberen Teil der Alster zurückkehren. In dieser Richtung spazieren wir am Rande des nun für kurze Zeit seeförmigen Verlaufs weiter und freuen uns darüber, dass wir an diesem Sonntag trotz des prächtigen Oktoberwetters nur wenigen Spaziergängern und Joggern begegnen. Zur selben Zeit haben vermutlich Zehntausende die Außenalster umrundet.  

Hier im Nordosten Hamburgs, in dem wenige hundert Meter breiten Grünstreifen  immer noch inmitten der Großstadt, fühlen wir uns zeitweise wie im Dschungel, so dicht überwuchern Pflanzen, Büsche und Bäume den scheinbar stehenden Fluss. Im Gegensatz zu unserem „Abenteuer Australien“ müssen wir hier allerdings nicht damit rechnen, dass aus dem bräunlichen Wasser der Alster „Crocs“ auftauchen. Stattdessen verfolgen wir die zaghaften Annäherungsversuche eines Erpels bei einer Entendame. Die stellt sich stur und wir gehen weiter. 

Entenpärchen am Rande des Alster Schleusenteichs
Blick von der Mellingburger Schleuse auf den Alster-Lauf

Auf der anderen Seite des Schleusenteichs lugt die Burg Henneberg hinter dem immer noch dichten Grün hervor. Die Nachbildung der gleichnamigen Burg in Thüringen ließ Gutsbesitzer Albert Henneberg zwischen 1884 und 1887 auf einem eigens aufgeschütteten 15 Meter hohen Burgberg errichten. Wir folgen weiter dem Alsterlauf flussaufwärts durch den Hennebergpark. Am Ende des folgenden Hohenbuchenparks, da wo der Fluss eine u-förmige Schleife macht, kürzen wir ab und erreichen bald den Historischen Gasthof an der Mellingburger Schleuse.

Erwartet hatten wir eher ein gewöhnliches Ausflugslokal, zu sehen bekamen wir ein hübsch gestaltetes Anwesen mit einem kleinen Markt im Hof, auf dem Bücher, Wein, Bio-Säfte und Kunsthandwerksstücke angeboten werden. In einem Imbisswagen wurden Chips & Fish für drei bzw. fünf Euro verkauft. Das war durchaus lecker – nur die bereitgestellten Majonäse-Soßen in großen Plastikflaschen passten nicht dazu.

Historischer Gasthof an der Mellingburger Schleuse
Die Mellingburger Schleuse wurde schon im 16. Jh. errichtet

Der schmucke Historische Gasthof an der Schleuße wurde bereits im Jahr 1717 als Wirtshaus für Treidelschiffer errichtet, deren Kähne von Pferden gezogen wurden. Die Mellingburger Schleuse selbst wurde sogar schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut. An diesem historischen Ort beenden wir unseren Sonntagsspaziergang auf dem herrlichen Alsterwanderweg. Der führt allerdings noch 15 Kilometer weiter bis in die südholsteinische Ortschaft Kayhude. Diesen Teil haben wir uns schon fest für das nächste Frühjahr vorgenommen.

Tipp für den Alsterwanderweg

Ein "Alsterdampfer" an der Krugkoppelbrücke in Harvestehude

Die Alster ist ein Nebenfluss der Elbe. Sie entspringt in der Gemeinde Henstedt-Ulzburg im Süden Schleswig-Holsteins und mündet nach 56 Kilometern am Hamburger Hafen in die Elbe. Weithin bekannt ist der bereits im 12. Jahrhundert künstlich aufgestaute Alstersee, der aus Außen- und Binnenalster in der Hamburger Innenstadt  besteht. Der weitgehend parallel verlaufende Alsterwanderweg beginnt in der kleinen südholsteinischen Gemeinde Kayhude und endet an der Mündung des Flusses. 

Kurzausflug in den “Alster-Dschungel”

Mit der S-Bahn (S1) bis zum Bahnhof Poppenbüttel. Zu Fuß über den Wentzelplatz, Heegbarg, Kritenbarg und Poppenbüttler Landstraße zum Alsterwanderweg. Entlang des Alsterlaufs bis zur Poppenbüttler Schleuse. Weiter rechts am Schleusenteich, durch Hennebergpark und Hohenbuchenpark bis zur Mellingburger Schleuse. Pause im Historischen Gasthof “Kleinhuis”. Zurück mit HVV-Busline 276 ab Haltestelle Mellingburgredder zum S-Bahnhof Poppenbüttel.

Ein ganzer Bus für uns allein. Linie 276 am Mellingburgredder

Zeitaufwand für den Ausflug insgesamt (von/bis Poppenbüttel): 3-4 Stunden | Länge des Fußweges insgesamt: 2,5 km | Leicht zu gehende Waldwege für Kinder und Senioren geeignet, für Rollstühle ungeeignet | Für Fahrten mit dem HVV nach/von Poppenbüttel bzw. Mellingburgredder sollte im Einzelfall geprüft werden, ob Tages- oder Gruppenkarten günstiger sind, als Einzelfahrausweise.