Boberger Niederung: Ab in die Dünen

In Hamburg gibt’s den größten innerstädtischen Sandkasten Europas. Im Naturschutzgebiet Boberger Niederung ist die letzte erhaltene Wanderdüne der Hansestadt, umgeben von einer artenreichen Moor- und Marschlandschaft ein wunderbares Erholungsgebiet, das zudem noch Naturerlebnisse bietet. Wer will, kann hier auch in die Lüfte „steigen“ oder ins Wasser „gehen“.  | Direkt zu den Tipps

Steckbrief: Boberger Niederung

Naturschutzgebiet in den Hamburger Stadtteilen Billwerder und Lohbrügge mit Boberger Düne und Achtermoor, Boberger See und angrenzendem Segelflugplatz

  • Fläche: 350 ha, 5  x max. 1,4 km; Ausdehnung der Düne 1 km x 450 m.
  • Zugang zum Gelände (Ausnahme Segelflugplatz) frei, rund um die Uhr | Informationshaus z. Zt. geschlossen
  • Hinweis zu Aktivitäten: Wanderungen bzw. Spaziergänge, Jogging , Radfahren (begrenzt), „leichte“ Ballspiele, Sonnen, Baden, Mitflüge auf dem Segel, Gebühr  (z.Zt. ausgesetzt) 
  • Gastronomie:  Hof Neun Linden, Café und Hofladen, Billwerder Billdeich 480  
  • Entfernung: Ab Rathausmarkt bis Parkplatz Boberger Furt 14 km (Pkw)
  • ÖPNV: ab Jungfernstieg U2 bis Mümmelmannsberg – Bus 12 bis Schulredder – 800 m Fußweg bis Informationshaus an der Boberger Furt  

ÖPNV: Hamburgs Bahnen, Busse und Schiffe. Wie ihr einfach und günstig die Hansestadt erkundet, erkläre euch in diesem Beitrag  

Hamburg macht die Schotten wieder auf – was ihr in der Hansestadt zurzeit unternehmen könnt, steht in diesem Beitrag  

Julia ist begeistert von den Boberger Dünen

Da waren sogar einige von Julias Kommiliton*innen überrascht, als meine Tochter ihnen von einem Ausflug in die Boberger Dünen erzählte. Tatsächlich hatten sogar einige „echte“ Hamburger*innen unter den Student*innen noch nie von dieser riesigen „Sandkiste“ im Südosten der Hansestadt gehört. Dabei kann sich auch dieses Natur- und Erholungsrefugium in den Stadtteilen Billwerder und Lohbrügge sehen lassen. An sonnigen Wochenenden ist die Boberger Niederung zudem eine wunderbare Alternative zu den bekannten – und häufig überlaufenen Freizeitgebieten der Stadt an Elbe und Alster sowie im Stadtpark. Nur am Strand des Boberger Sees kann es an heißen Tagen schon mal so voll werden, wie in Badeorten an der Ostsee.

Die weite Dünenlandschaft im Südosten Hamburgs

Die Sanddünen – oder besser Dünenabschnitte – erreichen zusammen eine Länge von etwa 1 km und sind bis zu 450 m breit.  Sie sind Reste der Binnendüne, die ehemals vom Berliner Tor am östlichen Rand der heutigen Innenstadt über eine Entfernung von 15 km bis in den Stadtteil Bergedorf reichte. Das ursprüngliche Dünengebiet ist durch menschliche Eingriffe stark verändert worden: Schon im Mittelalter wurden die Dünen beackert. Später, im 19. und 20. Jh. dezimierte sich die Dünenlandschaft durch großflächigen Sandabbau, unter anderem für eine Ziegelei an der Boburger Furt und die künstliche Erhöhung von Ackerflächen. Auch für den Ausbau von Eisenbahnstrecken ist hier Sand abgegraben worden.

Saftiges Marschland am Rande der Dünen

Heute sind die „Reste“ der Wanderdüne, nebst Boberger See und Segelflugplatz Teile des seit 1991 offiziell bestehenden 350 ha großen Naturschutzgebietes Boberger Niederung. Dazu kommen auf engstem Raum unterschiedliche Landschaftsformen wie das Achtermoor, Heide, Geest und Marsch. Die vielfältige Tierwelt wird hier von Insekten, Amphibien und Vögeln dominiert. Dazu gehören Moor- und Laubfrösche sowie Ringelnattern im Moor. In bewaldeten Abschnitten sind auch seltene Vögel zu Hause wie Erlenzeisige, Pirole und Beutelmeisen mit ihren beeindruckenden Nestbauten. Zudem soll es in der Boberger Niederung ein größeres Vorkommen an Nachtigallen geben.

Boberger See

Tipps für die Boberger Niederung

Wenn ihr zum ersten Mal das Natur- und Freizeitareal Boberger Niederung besucht, solltet ihr am Boberger Dünenhaus an der Boberger Furt starten. Das erreicht ihr vom Stadtzentrum aus 

  • ÖPNV vom Jungfernstieg: U2 bis Mümmelmannsberg, weiter mit Bus 12 bis Schulredder (alle 10-20 Min.) Von dort zu Fuß über Schulredder und Boberger Furt (800 m)
  • ÖPNV vom Hauptbahnhof: S21 bis  Mittlerer Landweg, Bus 221 bis Boberger Furt (1x/Stunde)
  • PKW bis zum Parkplatz Boberger Furt 44
  • Fahrrad: z.B. ein StadtRad ausleihen – hier findet ihr weitere Infos 
Mit dem Fahrrad unterwegs

Hinweis: Durch Aufruf der  Rubrik „Boberger Niederung mit Google Maps“ mit der Umschalttaste werden von Google auch Daten über die Nutzung der Kartenfunktionen durch Besucher erhoben, verarbeitet und genutzt. Weitere Hinweise finden Sie in der Datenschutzerklärung.

1 Boberger Dünenhaus: Das kleine Informationszentrum an dem von uns gewählten Zugang zu dem Naturschutzgebiet ist ein Projekt der Loki Schmidt-Stiftung – benannt nach der Gattin des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt, die sich vor allem dem Schutz gefährdeter Pflanzen annimmt. Im Mittelpunkt der kleinen Ausstellung im Dünenhaus steht die Geschichte der Boberger Niederung sowie die heute hier anzutreffende Flora und Fauna. Weitere Infos und ÖffnungszeitenHier starten wir zu dem 7 km langen  Rundgang, auf dem wir zunächst an Pferdekoppeln vorbei geführt werden. Dann muss ein kleiner Anstieg überwunden werden, bevor sich vor uns die Dünenlandschaft zeigt.

Fast die gesamte Dünenlandschaft im Blick

Boberger Dünen: Wir sind hier an der Südkante und sehen vor uns eine große Sandfläche, die sich zur linken Seite verengt und schließlich in einen weiteren  wüstenartigen Teil des Naturschutzgebietes übergeht. Klar, dass man hier die Markierungen beachtet und sich an den vorgegebenen Verlauf des Weges hält. Wer will, kann sich  hier schon bei schönem Wetter auf der mitgebrachten Decke im Sand niederlassen. Zeit dazu ist aber auch später noch auf dem Rückweg. Also gehen wir am Südrand des riesigen „Sandkastens“ weiter, an einem Bauerngehöft auf der Rückseite vorbei. 

Strand am Boberger See

3 Boberger See: Das Land abseits der Dünen ist hier saftiges, grünes Marschland. Wenn ihr genügend Zeit habt, solltet ihr einen Abstecher zu einem der Wassergräben machen, wo euch  vermutlich schon Frösche laut quakend erwarten. Weiter gerade aus geht es zum Boberger See. Der Baggersee, in dem früher Kies und Sand gefördert wurde, wirkt inzwischen wie ein natürliches Wasserreservoir, das von dichtem Pflanzenwuchs regelrecht umwuchert wird. Das idyllische Bild wird nur von kleinen Sandstrandabschnitten unterbrochen, an denen es an warmen Tagen hoch her geht. 

Startklar auf dem Segelflugplatz Boberg

4 Segelflugplatz Boberg: Wir gehen im Uhrzeigersinn um den See, passieren zunächst auf der gegenüberliegenden Seite das Achtermoor. Das frühere Torfabbaugebiet hat mit seinen Wasser gefüllten Mulden und dem dichten Erlen-Weiden-Wald heute einen urwaldähnlichem Charakter. Kurze Zeit später sind Zisch- und mechanische Schnappgeräusche zu hören, gelegentlich auch lautere Kommandos: Jetzt haben wir den Flugplatz Boberg erreicht, wo an Wochenenden und Feiertagen fast nonstop Segelflieger mit Hilfe von Seilwinden oder Schleppflugzeugen in die Luft befördert werden. Ihr könnt dem Flugbetrieb nicht nur interessiert zuschauen, sondern sogar mitfliegen – weitere Infos gibt’s beim H.A.C. Boberg. | Hinweis: Zurzeit sind Mitflüge „wg. Corona“ nicht möglich.

Galloway Rinder am Hof Neun Linden

5 Hof Neun Linden: Nach dem Flugplatz gelangen wir am Nordrand wieder an die Boberger Dünen. Da es im Naturschutzgebiet selbst keine Gastronomie gibt, gehen wir zurück zum Dünenhaus und von dort aus noch etwa 800 Meter weiter bis zum Hof Neun Linden auf dem Billwerder Billdeich (Nr. 480). Hier gibt’s einen Hofladen sowie ein angeschlossenes Café mit   Gartenlokal. Wenn an Wochenenden der Andrang schon mal größer ist, müsst ihr euch mit dem frisch gebrühten Kaffee und köstlichem Obstkuchen einen Platz zwischen landwirtschaftlichen Gerätschaften suchen. Nebenan auf der Weide zeigen die Galloway Rinder derweil kaum Interesse an den Besuchern eines der weiteren Naturparadiese Hamburgs.  

Danke, dass ihr mir auch auf dieser Tour in ein weiteres Hamburger Naturparadies gefolgt seid. Wenn ihr noch ergänzende Informationen und/oder Tipps zum Naturschutzgebiet Boberger Niederung habt, schickt mir gern eine E-Mail an@horst-mueller.de. Damit ihr über meine Aktivitäten in Hamburg und „im Rest der Welt“ immer auf dem Laufenden bleibt, bestellt am besten gleich meinen Newsletter