St. Nikolai: Mahnmal und Aussicht

Der 147 Meter hohe Kirchturm ist fast überall in Hamburg zu sehen. Viele Hamburger*innen und ihre Gäste wissen jedoch nicht, dass das Mahnmal St. Nikolaikirche eine Stätte des stillen Gedenkens ist und gleichzeitig der  beeindruckendste Aussichtspunkt der Hansestadt. 

Mahnmal St. Nikolai

Ruine der früheren Hamburger Hauptkirche St. Nikolai  | Anschrift: Willy-Brandt-Straße 60, 20457 Hamburg | Weitere Informationen auf der Website

Mahnmal St. Nikolai vom Michel aus fotografiert
  • Allgemein: Das Mahnmal St. Nikolai ist „den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945“ gewidmet. 
  • Geschichte und Status: Erste Gründung 1195 als Kapelle; Neubau im gotischen Stil 1874 eingeweiht; Zerstörung der Kirche 1943 durch Bomben im Zweiten Weltkrieg. | Heute Mahnmal mit Museum und Aussichtsebene.
  • Höhe: Turmhöhe 147,30 m; Aussichtsebene auf 76 m.
  • Öffnungszeiten: 10.00-18.00 Uhr, mittwochs geschlossen
  • Eintritt: 5,00 € für Museum + Aussichtsplattform
  • Barrierefreiheit: Panoramalift und Aussichtsebene sind für Rollstühle ausgelegt
  • Entfernung: 600 m vom Rathausmarkt 
  • ÖPNV: U3 bis Rödingsmarkt, 450 m Fußweg 
  • Hinweis: Der Neubau der Hauptkirche St. Nikolai befindet sich im Stadtteil Harvestehude 
Die Aussichtsplattform
Im gläsernen Lift zur Aussicht

Hamburgs wohl eindrucksvollster Aussichtspunkt liegt nicht unmittelbar auf der touristischen Route der Hansestadt, die einige hundert Meter weiter durch die Speicherstadt und entlang des Hafens verläuft. Außerdem muss es sich selbst unter Hamburger*innen bislang nur unzureichend herumgesprochen haben, dass am Mahnmal St. Nikolai an der Willy-Brandt-Straße seit 2005 ein gläserner Lift bis zu der in 76 Metern Höhe gelegenen Aussichtsplattform führt. So müsst ihr kaum längere Wartezeiten in Kauf nehmen, bevor ihr atemberaubende Ausblicke in alle Richtungen der Hansestadt genießen könnt. Gleichwohl wird auch hier zum Schutz der Besucher*innen vor “Corona” der Zugang bei Bedarf reguliert.

Fast ganz Hamburg von einem Turm

Oben angekommen, wird euer Blick vermutlich zuerst auf das imposante Hamburger Rathaus mit seinem markanten grün-blau schimmernden Kupferdach fallen. Dieser herrliche Panorama-Blick in nordöstliche Richtung wird durch die dahinter liegenden Alsterseen – Binnen- und Außenalster – vervollkommnet.  Im Osten schließen sich die Deichtorhallen und die Dächer des Hauptbahnhofs an, bevor die Speicherstadt und die dahinter liegende HafenCity mit der Elbphilharmonie im Süden in den Blick rücken. Weiter geht’s über den Hafen mit den Landungsbrücken im Südwesten. Ein weiterer Höhepunkt ist dann im Westen der Blick auf den “Michel”, den man von hier aus komplett sieht. Schließlich sehen wir dann noch den “Tele-Michel” in nordwestlicher Richtung.

Rathaus mit Binnen- und Außenalster
Teile der Speicherstadt
Die Elbphilharmonie
Aussicht über den Hafen
Blick auf den "Michel"
Voriger
Nächster
Das Mahnmal St. Nikolai
Erinnerungsort für die Kriegsopfer
Ausstellung zur "Operation Gomorrah"

Auf der Aussichtsplattform  werden wir durch beeindruckende und bedrückende Bilder vom zerstörten Hamburg eindringlich darüber informiert, dass die Ruine der historischen Nikolaikirche vor allem ein Mahnmal ist: “Hamburgs zentraler Erinnerungsort für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft der Jahre 1933-1945.” Die Kirche selbst war am 28. Juli 1943 durch Bombenangriffe der Alliierten im Zuge der “Operation Gomorrah” zerstört worden. Während der Bombardierungen Hamburgs, die sich im heißen Sommer des Jahres 1943 über zehn Tage erstreckten, waren in der Hansestadt 34.000 Menschen ums Leben gekommen. Der 147 m hohe Turm des Gotteshauses soll bei den Bombardements verschont worden sein, weil er den britischen und us-amerikanischen Luftstreitkräften wohl als Orientierungspunkt diente.

Das Museum in den Katakomben
Utensilien für den Luftschutzkeller

Im Museum, das in den Katakomben des Mahnmals eingerichtet wurde, werden neben Bildern aus der dunkelsten Zeit Hamburgs auch Utensilien gezeigt, die Menschen seinerzeit mit in die Luftschutzkeller nehmen mussten. Hier im Mahnmal wird jedoch nicht nur das schwere Schicksal Hamburgs während des Zweiten Weltkriegs beklagt. Es wird auch an das Leid gedacht, das Deutschland während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vielen anderen Ländern zufügte. In einem Teil der Ausstellung ist der Luftkrieg gegen Polen und die Zerstörung der Hauptstadt Warschau dargestellt.  Der Eingangsbereich des Museums ist der Geschichte von St. Nikolai vorbehalten – und die begann schon im Jahr 1195.

Geschichte von St. Nikolai
Das höchste Gebäude der Welt
Ab 1874 war St. Nikolai für 3 Jahre der höchste Kirchturm der Welt

Ende des 12. Jh. wurde in der Nähe des Hafens eine kleine Kapelle errichtet, die dem Heiligen Nikolaus gewidmet war, dem Schutzheiligen der Seefahrer. Weil die Kapelle für die damals schnell wachsende Bevölkerung viel zu klein war, wurde sie im 13. und 14. Jahrhundert zu einer großen Hallenkirche ausgebaut. Während des großen Brands im Jahr 1842 wurde die Kirche zerstört und mit Spenden Hamburger Bürger im neugotischen Stil wieder aufgebaut. Bei ihrer Fertigstellung im Jahr 1874 hatte St. Nikolai mit 147,30 Metern den höchsten Kirchturm der Welt und behielt diesen Status auch drei Jahre lang, bevor im Jahr 1877 die Kathedrale im französischen Rouen einen neuen Hauptturm erhielt, der 151,50m hoch war. 

Mahnmal statt Kirche
Carillon mit 51 Glocken

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs drückten sich Kirchenleitung und der Hamburger Senat lange um eine klare Entscheidung über die Zukunft der Ruine. Anfang der 1950er Jahr wurden Teile des noch stehenden Mauerwerks  sogar abgesprengt. Nachdem im Jahr 1962 der Neubau der Hauptkirche St. Nikolai im Stadtteil Harvestehude eingeweiht wurde, entschloss man sich, die Ruine am Hamburger Hopfenmarkt als Mahnmahl nicht nur zu erhalten, sondern entsprechend auszubauen. Seit  1993 gibt es im unteren Teil des Turms ein Carillon mit 51 Glocken, das durch Spenden finanziert wurde. Täglich wird hier um 09.00, 12.00, 15.00 und 18.00 Uhr eine kleine Melodie gespielt.

Lage und Umgebung
Das Mahnmal an der Willy-Brandt-Straße
Mahnmal St. Nikolai an der Willy-Brandt-Straße

Das Mahnmal St. Nikolai liegt in der Hamburger Altstadt an der Willy-Brandt-Straße 60. Bitte nicht verwechseln mit der Hauptkirche St. Nikolai, die sich im Hamburger Stadtteil Harvestehude befindet. Vom Rathausmarkt erreicht ihr das Mahnmal in etwa 10 Minuten zu Fuß – es sind nur 600 Meter. Nächste U-Bahn-Station ist am Rödingsmarkt, wo die U3 hält. Die nächste Ausleihstation für Leihfahrräder von StadtRad befindet sich nur 200 m vom Mahnmal entfernt an der Ecke Willy-Brandt-Straße/Domstraße. Falls ihr mit dem Auto kommt, befindet sich ein Parkhaus am Rödingsmarkt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Willy-Brandt-Straße ist auch der Liegeplatz des bekannten Theaterschiffs am Nikolaifleet. Nachfolgend stelle ich euch weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung vor.

Hinweis: Durch Aufruf der  Rubrik “Mahnmal St. Nikolai bei Google Maps” mit der Umschalttaste werden von Google auch Daten über die Nutzung der Kartenfunktionen durch Besucher erhoben, verarbeitet und genutzt. Weitere Hinweise finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Die weltweit größte Modelleisenbahnanlage in der Hamburger Speicherstadt zählt längst zu den führenden Touristenattraktionen in ganz Deutschland. | 600 m

Das beeindruckende Konzerthaus am Hamburger Hafen bietet mit der “Plaza” auch eine der schönsten Aussichtsplattformen der Stadt. | 1,2 km

Das „wahre“ Wahrzeichen Hamburgs ist und bleibt die Hauptkirche Sankt Michaelis, die in der ganzen Welt unter ihrem volkstümlichen Namen „Michel“ bekannt ist. | 1,1 km

Unser Hafen ist unsere wichtigste Sehenswürdigkeit. Ausgangspunkt für Hafenrundfahrten oder  Erkundungen mit den Hafenfähren sind die Landungsbrücken. | 1,6 km

Wir hoffen, dass wir euch weitere nützliche Anregungen für euren Besuch in Hamburg geben konnten. Wenn dem so ist, empfehlt unseren Blog gern weiter: horst-mueller.de

Hamburger Hafen: Kreuzfahrt mit dem "Bügeleisen"