Niemals geht
man so ganz...

Hier habe ich Erinnerungen an den aufregenden Start und das „überraschende“ Ende meiner 14 Jahre als Professor für Redaktionspraxis an der Fakultät Medien der Hochschule Mittweida notiert.

Das war schon ein toller Job: Professor für Redaktionspraxis. Mehr als 14 Jahre lang stets umgeben von engagierten Studierenden. Diese Aufnahme entstand beim Abschlussball mit angehenden Medienmanagerinnen des Jahrgangs 2015 im Januar dieses Jahres, nur zwei Wochen bevor ich mich - zumindest "offiziell" - von der Hochschule Mittweida verabschiedete

2018: Das wundervolle Ende

Nein, so eine offizielle Verabschiedung wolle ich nicht, hatte ich einigen Kollegen schon vor zwei Jahren anvertraut. Auch als meine Frau Inge im vergangenen Sommer noch einmal nachhakte, blieb ich bei meinem klaren „Nein“.

Bearbeiten Das letzte Bild aus meinem Büro in der dritten Etage des Zentrums für Medien und Soziale Arbeit (ZMS) in Mittweida.

Am Abend des 24. Januar musste ich erkennen, dass mein Wort offenbar wenig gilt, weder bei der Gattin noch bei den besten Kolleginnen und Kollegen, die man sich nur wünschen kann. Zum Glück. Auf Initiative von Sieglinde Klimant und Norbert Rasch überraschten mich alle zusammen am Ende meines letzten offiziellen Arbeitstags mit einem unglaublich schönen Abschied, den ich nur mit Hilfe der folgenden Bilder beschreiben kann, die mir Masterstudentin Daniela Möckel zur Verfügung stellte.

Auf dem "Streitwagen" durch Mittweida. Samadhi Flash (links) und Marios Karapanos waren zeitweise die Zugpferde. Marios gehörte 2004 zu meinen ersten Studenten an der Hochschule Mittweida.
Sabine Kilger am Anfang und Ende: Bei meiner Ernennung zum Professor hatte sie mir im April 2004 symbolisch den Doktorhut aufgesetzt; zur Emeritierung gab's den Sombrero.
Mein Chef, Förderer, wissenschaftlicher Ziehvater und Freund Professor Dr. Ludwig Hilmer, Rektor der Hochschule Mittweida. Danke für alles, was du für mich getan hast, Ludwig.
Mein geschätzter Kollege Andreas Wrobel-Leipold überreicht mir gemeinsam mit Julia Wolf den "ersten Mittweidischen Bewegtbildgeber".
Unendliche Freude mit Freudentränen: Julia ist auch ganz heimlich aus Hamburg zu meiner Verabschiedung nach Mittweida gekommen.
"Harte Nüsse" hatte ich im Medienquiz von Janis Brinkmann und Jacob Doering zu "knacken", beobachtet von Ex-Kollege Peter Will, Philipp Neumayer, Maximilian Benda und Anne Christin Tschöke.
Seit Jahren fordere ich einen Zebrastreifen vor dem Medienzentrum in Mittweida. Am Abschiedabend habe ich ihn endlich bekommen. Pssst: ...und er war auch für einige Minuten auf der Straße "in Betrieb".
Welch' große Freude und Ehre: Mit einem Slam, getextet und vorgetragen von Samadhi Flash, wurden die Darbietungen im ZMS zu meinem Abschied eröffnet.
Rektor - und Freund - Prof. Dr. Ludwig Hilmer einmal mehr in Hochform. Zum Abschied wurde ich vom Chef für "exzellente Lehre in der Kategorie Lebenswerk" ausgezeichnet.
Feierliche Enthüllung der vom renommierten russischen Standbildtechniker Vsewolod Polkrassow geschaffenen Statue "Die Fakulät ohne Horst Müller".
Oleg Jampolski, ehemaliger Bachelor- und Masterstudent, initiierte zu meinem Abschied eine "Festschrift zur Emeritierung", die sogar in der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet ist.
Insgesamt 24 Kollegen, Studierende und Weggefährten haben mit ihren Beiträgen in dieser Festschrift eine unauslöschliche Erinnerung an mein Berufsleben geschaffen.
"Meine Master" Ann-Sophie May, Kinga Janur, Daniela Möckel und Stefan Kirsten haben mit Oleg Jampolski (links), Prof. Andreas Wrobel-Leipold und Dozent und Druckereileiter Christian Greim "hinter meinem Rücken" die Festschrift produziert.
Dekan und "Kontradekan" im Gespräch. Lange vor dem Abschied haben wir unser "Kriegsbeil" begraben. Und wir sind beide froh darüber. Alles Gute, lieber Michael Hösel.
Das Bier vom "Müllerbräu" hatte Kollege Andreas Wrobel-Leipold besorgt. Der AWL gehört zu den außergewöhnlichen  Persönlichkeiten, die ich in meinem Berufsleben kennenlernte.
Meine beste Freundin und Mitinitiatorin der Abschiedsfeier: Sieglinde Klimant (links) mit den großartigen Kolleginnen Petra Manthey, Nadine Mensching, Simone Baumann und Sabine Kilger.
Danke Norbert Rasch. Mein Kollege und Freund hat diesen wundervollen Abschied für mich initiiert und organisiert. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Wir sehen uns - in Hamburg.
Meine "Mädels" Inge Seibel und Julia werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass ich auch nach meinem "Übertritt"  in den Ruhestand nicht "einroste". Ich bin ein Glückspilz.

Ich danke allen von ganzem Herzen, die zu diesem wundervollen Abschied beigetragen haben. Großartige Kolleginnen und Kollegen, Weggefährten aus früheren beruflichen Stationen und nicht zuletzt ehemalige sowie aktive Studierende haben es möglich gemacht, dass ich glücklich und rundum zufrieden in den „Ruhestand übertrete“. Aber – „niemals geht man so ganz“, sang vor 30 Jahren die großartige Kölner Schauspielerin Trude Herr, als sie ihre Heimstadt in Richtung Fidschi-Inseln verließ. Mich zieht es nur nach Hamburg und ich komme wieder nach Mittweida, Ende März als Lehrbeauftragter, weil ich mich einfach noch nicht ganz trennen kann.

2004: Meine erste Vorlesung

Als geübter Bauer-Manager in den Hörsaal ohne jemals auch nur einen Grundkurs in Pädagogik absolviert zu haben. Der Start an der Hochschule Mittweida war schon eine Herausforderung – für mich und für die Studis. Und so (grauenvoll) sahen die Folien meiner ersten Vorlesung am Dienstag, 9. März 2004, aus…

Slider: Die Folien meiner ersten Vorlesung

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An den Inhalten der Vorlesung hätte ich aus heutiger Sicht kaum etwas herumzumäkeln. Im Hinblick auf die Präsentation gab’s allerdings noch jede Menge Verbesserungspotential. Klar, ich war jetzt nicht mehr Bauer Manager, sondern Hochschuldozent und musste mich von nun an meinen neuen „Schützlingen“ anpassen. Angelehnt an den Titel meiner ersten Vorlesung „Wandel des Medienmarktes – verändertes Umfeld für Journalisten“ – bedeutete das: „Der Wandel des Medienmanagers“

2002: Als „Playboy“ in Mittweida

Meinen ersten „Auftritt“ an der Hochschule Mittweida hatte ich am 23. Januar 2002. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Akademischer Dialog“ durfte ich als damaliger Verlagsleiter des deutschen „Playboy“ eine Stunde lang über alles das berichten, „was Männern Spaß macht“.

Zumindest wurde mir ein wissenschaftlich korrekter Titel für meinen Vortrag vorgegeben: „Marktauftritt und Marktpositionierung der Publikumszeitschrift ‚Playboy‘ im digitalen Zeitalter.“ Das war gar nicht mal so eine leichte Aufgabe. Immerhin hatte sich mein damaliger Chef, Heinz Bauer, Eigentümer des Verlagsimperiums „Heinrich Bauer Verlag“ (heute „Bauer Media“) vehement dem Internet verweigert. Das war auch der eigentliche Grund dafür, dass ‚Bauer‘ Ende 2002 die deutsche Playboy-Lizenz an ‚Burda‘ verlor.

Zurück nach Mittweida und meiner ersten „Gastvorlesung“: Kontakt zum damaligen Fachbereich Medien hatte ich über den – im November 2016 viel zu früh verstorbenen – Professor Otto Altendorfer bekommen, mit dem mich meine Frau Inge bei den Münchner Medientagen im Oktober 2001 bekannt machte: „Sie, kommen’s doch mal nach Mittweida zu ’na Gastvorlesung“. Warum nicht. Beruflich hatte ich seinerzeit schon eine Menge erlebt und erreicht. Eine Vorlesung an der „Uni“ wäre nochmal eine neue Herausforderung, so meine Überlegung damals. Rund drei Monate später stand ich dann in einem der beiden größten Hörsäle im Haus 5 auf dem Campus. Der war zu meiner Freude auch bis zum letzten Platz besetzt; was – wie ich später erfahren sollte, ein seltenes Erfolgserlebnis für einen „Prof“ an der Hochschule Mittweida war – und ist. Was ich den Student*innen seinerzeit tatsächlich über den „Playboy“ und mich erzählte, weiß ich kaum noch. Die mit großer Mühe vorbereitete Präsentation habe ich später bei einem „Crash“ einer Computerfestplatte verloren.

Erinnern kann ich mich allerdings noch gut daran, dass ich nach der abendlichen Veranstaltung noch mit Professor Altendorfer und dem damaligen Dekan des Fachbereichs Medien, Professor Ludwig Hilmer, im „Pilspub“ an der Zimmerstraße zusammensaß. Nach einem halben Dutzend Schoppen Wein traf ich – mit vermutlich lallender Stimme – eine Aussage, die beträchtliche Auswirkungen auf mein weiteres Leben haben sollte: „Wenn Sie hier mal so einen Job als Professor haben, mache ich das sofort“. Ein Jahr später rief mich Otto Altendorfer tatsächlich in München beim Bauer Verlag an: „Jetzt wird bei uns ‚was frei“.