Hamburger Hafen: Kreuzfahrt auf dem “Bügeleisen”

Willkommen an Bord der Hamburger Hafenfähren zu einer etwas anderen „Kreuzfahrt“. Auf dieser Tour durch Deutschlands größten Hafen zeige ich euch Elphi, Landungsbrücken, Fischmarkt und ein wenig „Meer“. Bevor wir starten, habe ich noch ein paar Hintergrundinformationen über das “Tor zur Welt” für euch zusammengefasst.

Steckbrief: Hamburger Hafen
Schlepper an der Pier in St. Pauli
  • Allgemein: Tidehafen an der Elbe, 100 km von der offenen Nordsee entfernt, Deutschlands größter – und  Europas drittgrößter Seehafen mit 13 Hafenbecken und 320 Liegeplätzen; Kai-Länge ca. 43 km 
  • Tourismus: Wichtigstes Ziel für Touristen in Hamburg, Hauptsaison von April bis Oktober, Hafengeburtstag im Mai sowie weitere Großveranstaltungen
  • Aktivitäten: Besichtigungen, Hafenrundfahrten, Rundgänge,  Wanderungen, Joggen, Radfahren, Schwimmen 
  • Sehenswürdigkeiten: Schiffe, Elbphilharmonie, HafenCity, Speicherstadt,  Landungsbrücken, Alter Elbtunnel, Fischmarkt, Dockland (Aussichtsplattform), Museumshafen Övelgönne
  • ÖPNV: U3, Bus 111 (Landungsbrücken und Baumwall), S1-3 Landungsbrücken, HADAG-Hafenfähren (HVV) 

ÖPNV: Hamburgs Bahnen, Busse und Schiffe. Wie ihr einfach und günstig die Hansestadt erkundet, erkläre euch in diesem Beitrag  

Hamburg macht die Schotten wieder auf – was ihr in der Hansestadt zurzeit unternehmen könnt, steht in diesem Beitrag  

Infos zum Hamburger Hafen
Hafen ohne Geburtstag
"Volles Haus" beim Hafengeburtstag 2019

Der 831. Hafengeburtstag konnte wegen der Corona-Krise im Mai 2020 nur digital gefeiert werden. Das Marketing der Hansestadt verbreitete über die bekannten Social Media-Kanäle Aufnahmen aus früheren Jahren von beeindruckenden Einlaufparaden mit 300 Schiffen und den „Ballettdarbietungen“ der Hamburger Hafenschlepper. Schiffstester Matthias Morr begrüßte seine Zuschauer am 10. Mai auf YouTube mit einer Live-Übertragung unter dem Titel “Hafen ohne Geburtstag”. Macht nichts. Den Hamburger Hafen könnt ihr außerhalb von  offiziellen Feierlichkeiten ohnehin viel intensiver erleben und besser kennen lernen. Mit den folgenden Hinweisen will ich euch dabei helfen.

Von der Bille an die Elbe
Blick auf die Speicherstadt vom Michel

Übrigens entstand der Hamburger Hafen keinesfalls an der Elbe, sondern im 9. Jh. an der Bille, einem Nebenfluss der Alster. Im 14. Jh. wurde Hamburg dann Mitglied der Hanse, was der Stadt und dem Hafen enormen Aufschwung bescherte, genau so wie der blühende Amerikahandel im 17. und 18. Jh. Schließlich wurde im 19. Jh. der Hamburger Hafen trotz der Abhängigkeit von Ebbe und Flut an die Elbe verlegt – als so genannter offener Tidehafen. Ende des 19. Jh. entstand dann die Speicherstadt als zollfreies Gebiet, in dem Hamburger Kaufleute Waren lagern und veredeln lassen konnten, ohne Abgaben leisten zu müssen.

UNESCO Weltkulturerbe

Die Speicherstadt - UNESCO Welterbe

Seit 2004 gehört die Speicherstadt nicht mehr zum Freihafen. Stattdessen wurde sie im Jahr 2015 Teil des UNESCO Welterbes und ist zusammen mit der seit 2008 entstandenen HafenCity ein weiterer Anziehungspunkt für Besucher Hamburgs. Waren werden heute vor allem in Containern transportiert und gelagert. Das geschieht längst in den südlichen Teilen des Hafens, die Touristen höchstens bei Hafenrundfahrten zu sehen bekommen. Der Containeranteil lag im Jahr 2019 bei 70% der insgesamt 137 Millionen Tonnen, die 2019 im Hamburger Hafen umgeschlagen wurden. 

Umschlag vs. Umweltschutz

Elbstrand mit Containerschiff

Damit ist Hamburg nach Rotterdam und Antwerpen der vom Umschlag her drittgrößte Fracht- und Containerhafen Europas. Dennoch – der Hamburger Hafen stagniert. Schuld daran ist unter anderem die Entfernung von 100 km zur offenen Nordsee. Bei der Fahrt über die Elbe dürfen Schiffe nur mit reduzierter Geschwindigkeit und mit Lotsen an Bord unterwegs sein; das kostet Zeit und Geld. Zudem gibt es immer mehr Widerstand von Umwelt- und Klimaschützern gegen die für die Schifffahrt notwendigen Ausbaggerungsarbeiten in der Unterelbe und die stadtnahen Liegeplätze im Hafen.

Drei Kreuzfahrtterminals

Cruise Terminal Altona mit MS Europa 2

In der Kritik stehen auch Anläufe von Kreuzfahrtschiffen. In Hamburg machen diese am – wenig attraktiv gelegenen – Cruise Terminal in Steinwerder inmitten des Containerhafens oder an den Cruise Terminals in Altona und gelegentlich in der HafenCity fest. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 210 Anläufe mit zusammen 810.000 Passagieren verzeichnet – und damit gut 10 Prozent weniger als noch 2018. In diesem Jahr ist wegen der Corona-Krise der Kreuzfahrtbetrieb weltweit zum Erliegen gekommen. Zurzeit liegen ein halbes Dutzend Kreuzfahrtschiffe in den Verzweigungen des Hamburger Hafens. Wann diese zu ihren nächsten Reisen mit Gästen an Bord starten können, ist derzeit noch völlig ungewiss.

Elb- und Hafenlotsen

Schiffsführungssimulator im Maritimen Museum

Von der Nordsee gelangen Schiffe nur mit nautischer Unterstützung durch Lotsen bis in den Hamburger Hafen. Dabei gehen zunächst Elblotsen (nicht Elbe…) in der Deutschen Bucht weit in der Nordsee vor Cuxhaven an Bord und begleiten die Schiffsleitungen mit Rat und Tat bis zur Lotsenstation in Hamburg-Teufelsbrück. Dort werden die Schiffe dann von Hafenlotsen übernommen, die sie bis an die Liegeplätze im Hamburger Hafen bringen. Tipp: Im Internationalen Maritimen Museum (Kaispeicher B, HafenCity, Eintritt 13 €) finden jeden Dienstag, Mittwoch und Sonntag ab 14.00 Uhr öffentliche Veranstaltungen mit einem Schiffsführungssimulator statt. Unter fachkundiger Anleitung könnt ihr euch dort selbst als Kapitäne ausprobieren.

Hafenrundfahrten
Hafenrundfahrten

Kleine und große Törns

Größeres Ausflugsboot auf Höhe von Steinwerder

Unbestritten ist der Hafen wichtigster Anziehungspunkt der Hansestadt für Besucher aus aller Welt. Mehr als sieben Millionen  Touristen sollen im Jahr 2019 allein in den Hafen gekommen sein. Viele der Besucher machen Hafenrundfahrten, die auf unterschiedlichen Schiffstypen mit verschiedenen Umfängen angeboten werden: Von der „kleinen Hafenrundfahrt“ (ab 16 €) auf einer „lütten“ Barkasse bis zum mehrstündigen „Törn“ auf einem stattlichen Ausflugsschiff oder Raddampfer, der allerdings mit Diesel angetrieben wird. Eine Übersicht der Hafenrundfahrten findet ihr bei Hamburg Tourist Info. Dort könnt ihr auch Tickets im Voraus buchen.

Und hier geht’s wieder los!

Ticketstand für Hafenrundfahrten

Karten für die Hafenrundfahrten bekommt ihr selbstverständlich auch an den Landungsbrücken, wo die meisten Schiffstouren starten und enden. Wenn ihr dort die Verkaufsstellen nicht gleich seht, werdet ihr die Verkäufer (die sind nach meinen Erfahrungen wirklich alle männlich) zumindest hören: „Und hier geht’s wieder los zur großen Hafenrundfahrt!“ rufen sie mit meist kratziger Stimme und viel hamburgischer Sprachfärbung den Touristen entgegen. Meine Tipps: (1) Ihr solltet Hafenrundfahrten nicht lange im Voraus buchen, denn das Wetter muss schön sein, sonst macht’s einfach keinen Spaß. Und das Wetter kann sich in Hamburg ganz schnell mal ändern. (2) Ich würde euch zu einer einstündigen Hafenrundfahrt auf einer kleinen Barkasse raten, die auch in die Speicherstadt fährt.

He lücht: Döntjes un Tünkram

Hafenbarkasse nicht nur für "Kiez-Kicker"-Fans

„He lücht“ werden die Barkassenführer genannt, die ihren Gästen bei den Rundfahrten den Hafen mit seinen Einrichtungen und die dort liegenden Schiffe vorstellen. Um die Touren möglichst unterhaltsam zu gestalten, erzählen die Schiffsführer auch schon mal „Döntjes“, das sind Anekdoten und sogar „Tünkram“, also kleine Schwindeleien. Der Begriff „He lücht“ soll schon in den 1920er Jahren bei solchen Rundfahrten entstanden sein. Wenn Hafenarbeiter mitbekamen, dass Barkassenführer bei ihren Erklärungen ein wenig flunkerten, riefen sie den Passagieren zu „he lücht!“. Das ist Plattdeutsch und bedeutet „er lügt“. Wenn ihr mir jetzt auf “Meine Tour durch den Hamburger Hafen” folgt, verspreche ich euch keinen “Tünkram”, zumindest nicht absichtlich…

Meine Tour durch den Hamburger Hafen
Meine Tour durch den Hamburger Hafen

Damit lade ich euch ein zu meiner virtuellen Tour, die ich schon unzählige Male mit Freunden durch den Hamburger Hafen in der Realität gemacht habe. Dabei werdet ihr neben der Elbphilharmonie mit den Landungsbrücken, dem Altonaer Fischmarkt sowie den Freizeitgebieten am Elbufer einen guten ersten Eindruck vom „Tor zur Welt“ erhalten.

U3 auf dem Weg zur Station Baumwall

Checkliste für die Tour

  • Mindestens 5 Stunden – besser 7 Stunden Zeit nehmen
  • HVV-Tages- oder Gruppenkarte bzw. Hamburg CARD
  • Pullover oä. – auf den Fähren kann auch im Sommer ein kühler Wind wehen
  • Regenschutz (Schirme sind unpraktisch) und Sonnenschutz
  • Etwa 20 € Bargeld pro Person – ihr könnt noch nicht überall mit „Plastik“ bezahlen. 

Schwimmende "Bügeleisen"

Voll besetzte Hafenfähre am Sonntagnachmittag

Für die Tour nehmen wir die Hafenfähren der HADAG. Das hat den Vorteil, dass die Benutzung mit den HVV-Tages- und Gruppentickets bzw. mit der Hamburg CARD möglich ist. Insgesamt sind 26 Schiffe im Einsatz, die zwischen 110 und 400 Passagiere befördern können. Die Mehrzahl – nämlich 15 – dieser Personenfähren ähneln der Form eines Bügeleisens, weswegen sie auch diesen Beinamen erhielten. Bei schönem Wetter könnt ihr auf dem Oberdeck die freie Aussicht nach vorn genießen, während die Schiffsführer*innen quasi „vom Griff des Bügeleisens“ aus die Fähren durch den häufig belebten Hafen steuern. An den Anlegern werden die modernen Hafenfähren nicht durch Taue festgemacht, sondern durch Heckstrahlruder an die Pier gedrückt, während die Passagiere ein- und aussteigen.

Ziel HinweiseWeiter
1. BaumwallU3, Bus 111zu Fuß, 500 m
2. ElbphilharmoniePlaza (Aussichtsplattform), 10.00-22.00 Uhr
Tickets vor Ort kostenlos
Tickets via Website Elbphilharmonie, 2 €/Person
Fähre 72
3. LandungsbrückenAnkunft Brücke 1, Übergang 500 mFähre 62 ab Brücke 3 Abfahrt alle 15 Min.
4. Altonaer FischmarktFischmarkt, sonntags
April – Okt. : 05.00-09.30 Uhr |
Nov. – März: 07.00-09.30 Uhr
Fähre 62, Ri. Finkenwerder
5. DocklandBegehbares Office Building mit Aussicht über den HafenFähre 62 Ri. Finkenwerder
6. Finkenwerder FährterminalDirekter Übergang zu Fähre 64 Fähre 64 Ri. Teufelsbrück
alle 30 Min., nachmittags alle 15 Min.
Fahrzeit 10 Min.
7. TeufelsbrückAusflugsstation an der Elbezu Fuß an der der Elbe, 3,7 km
8. Neumühlen – Museumshafen ÖvelgönneAusflugslokale, ElbstrandFähre 62 bis Landungsbrücke (Brücke 1)

Hinweis: Durch Aufruf der  Rubrik “Stationen der Tour bei Google Maps” mit der Umschalttaste werden von Google auch Daten über die Nutzung der Kartenfunktionen durch Besucher erhoben, verarbeitet und genutzt. Weitere Hinweise finden Sie in der Datenschutzerklärung.

1. Baumwall

Blockade mit Baumstämmen

Blick vom Baumwall auf die Hafenpolizeiwache

Die Tour beginnen wir an der U-Bahnstation Baumwall, die von der U-Bahn-Line 3 sowie den Bussen der „touristischen Linie“ 111  angefahren wird. An dieser Stelle hatten die Hamburger zu Beginn des 17. Jh. eine Stadtbefestigung errichtet, um vor allem ihren damals in der Alstermündung gelegenen Hafen gegen Eindringlinge abzusichern. Noch bis Mitte des 19. Jh. wurde die Durchfahrt nachts durch Baumstämme blockiert – daher „Baumwall“. Hier beginnt auch die neu angelegte Elbpromenade, die über 800 m lang bis zu den Landungsbrücken führt. Dabei passiert man die Überseebrücke, an der früher Passagierschiffe festmachten. Am Ende der Brücke liegt das weiterhin fahrbereite Museumsschiff Cap San Diego (täglich, 10.00-18.00 Uhr, 7 €). 

2. Elbphilharmonie

Hamburgs neues Wahrzeichen

Elphi "fertig" im November 2016

Vom Baumwall aus erreichen wir über drei Brücken entlang der Kehrwiederspitze nach 500 m Fußweg schon die Elbphilharmonie. Der auf dem Sockel des früheren Kaispeichers A aufgesetzte imposante 110 m hohe Konzertbau mit angeschlossenem Hotel und Luxuswohnungen ist das neue Wahrzeichen Hamburgs. Die „Elphi“, wie die Elbphilharmonie längst auch über Hamburg hinaus genannt wird, ist tatsächlich ein Bauwerk der Superlative, auch wenn sie ganz schön teuer war: Am Ende soll sie uns 866 Mio. Euro gekostet haben, über 11mal so viel, wie ursprünglich veranschlagt. Dafür wurde sie auch erst mit sechs Jahren Verspätung im November 2016 fertiggestellt und im Januar darauf festlich eröffnet. 

Das imposante Konzerthaus

Die in der Sonne strahlende Elbphilharmonie

Für das viele Geld haben wir in Hamburg wirklich ein imposantes modernes Bauwerk bekommen, das allerdings an der nördlichen Seite hinter weiteren Bürogebäuden etwas versteckt wurde. Ob das Hamburger Understatement ist oder einfach nur Dummheit bei der Planung war, konnte ich bislang nicht herausbekommen. Neben der markanten Form des Aufbaus, der zugleich ein Segel, Wasserwellen, Eisberg oder einen Quarzkristall symbolisieren soll, beeindruckt vor allem die aus 1.100 Elementen bestehende Glasfassade. Im Inneren ist die Elphi eher schlicht gehalten. Eine “Party-Location” ist das nicht – soll sie aber auch gar nicht sein. Der große Konzertsaal mit steil aufsteigenden Zuschauerrängen fasst 2.100 Besucher. Dazu kommen noch ein kleiner Saal mit 550 Plätzen sowie ein Studio, in dem bis zu 170 Besucher aufgenommen werden können.

Beste Aussichten

Musicaltheater "An der Elbe" (vorn) und "Am Hafen"

Aus den bekannten Gründen finden zurzeit keine Veranstaltungen in der Elphi und auch keine Führungen durch die Säle statt. Dafür ist die „Plaza“ geöffnet. Von der in 35m Höhe rundherum verlaufenden Aussichtsplattform habt ihr herrliche Ausblicke auf den Hafen mit den Landungsbrücken sowie die HafenCity und weite Teile Hamburgs. Schräg gegenüber, auf der anderen Seite der Norderelbe, seht ihr die beiden Musical-Theater. Unter dem silbernen Dach verbirgt sich das 2013 eröffnete “Theater an der Elbe”, in dem zurzeit “Pretty Woman” läuft. Das “Theater am Hafen” mit dem goldenen Dach ist seit 2001 die deutsche Heimat des “König der Löwen” – die erfolgreichste Musicalproduktion aller Zeiten in Continental-Europa.  Die Plaza  erreicht ihr über eine 82 m lange gebogene Rolltreppe, die von ausländischen Besuchern häufig als „Tube“ bezeichnet wird. Eine Etage unterhalb der Aussichtsplattform gibt es einen Souvenirshop mit angeschlossenem Restaurant.

Tickets kostenlos - nicht umsonst

Blick von der "Plaza" auf den Hafen

Der Zugang zur Plaza in der Elbphilharmonie wird durch Eintrittskarten kontrolliert. Die bekommt ihr vor Ort an der Kasse bis zu sechs Personen kostenlos. Allerdings müsst ihr dann eventuell Wartezeiten in Kauf nehmen. Ihr könnt die Tickets aber auch schon im Voraus über die Website der Elphi erwerben. Das kostet dann zwar 2 € pro Person, erspart euch jedoch unnötiges Anstehen vor Ort. Meine Tipps: (1) Wenn ihr am Wochenende nachmittags auf die Plaza wollt, solltet ihr euch unbedingt Tickets im Voraus besorgen. (2) Der beste Zeitraum für den Besuch ist ohnehin der Vormittag, weil ihr dann mit der (hoffentlich scheinenden) Sonne im Rücken in den Hafen schaut bzw. fotografiert. 

Elphi von unten

Mit der Hafenfähre entlang der Elbphilharmonie

Weiter geht’s jetzt mit der Hafenfähre 72 von der Anlegestelle direkt vor der Elbphilharmonie zu den Landungsbrücken. Während der nur wenige Minuten dauernden Überfahrt auf der Norderelbe zur Landungsbrücke 1 habt ihr herrliche Aussichten: Zunächst fährt das Linienschiff ganz nah entlang der Elbphilharminie, sodass ihr die Glasfassade des Prachtbaus aus einer ganz anderen Perspektive von unten sehen könnt. Bei der Weiterfahrt rücken die beiden Museumsschiffe Cap San Diego und Rickmer Rickmers ins Blickfeld, mit dem neuen Hafenboulevard im Hintergrund. An mehreren Stellen habt ihr auch den Turm des Michels gut im Blick. 

3. Landungsbrücken

Im Zentrum des Hafens

Alter Elbtunnel und Landungsbrücken, dahinter der Michel

Inzwischen sind wir am touristischen Zentrum des Hamburger Hafens angelangt. Der Komplex der Landungsbrücken besteht – neben dem markanten Hauptgebäude – aus 9 Brücken, die zu den Anlegern an der Elbe führen. Die Hafenfähre 72 macht an der Brücke 1 fest und wir müssen weiter zur knapp 300 Meter entfernten Brücke 3. Dort setzten wir  mit der Fährlinie 62 unsere „Kreuzfahrt“ fort. Vorher  kommen wir an einer Reihe von Fischbuden, sonstigen Imbissen, Souvenirständen und Ticketständen für  Hafenrundfahrten vorbei. Zwischen den Brücken 4 und 5 findet ihre die offizielle Tourist Information. Hier bekommt ihr bei Bedarf Auskünfte und Tickets für touristische Leistungen wie Stadt- und Hafenrundfahrten sowie Restkarten für Musicaltheater (wenn die „Corona-Sperre“ aufgehoben ist).

Früher Kohlekaje – heute Touristen Hotspot

Uhrenturm der Landungsbrücken

Die Landungsbrücken entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jh., um Dampfer möglichst einfach mit Kohle zu befüllen. Später wurden hier auch große Passagierschiffe abgefertigt. Ab 1907 wurden die  Schiffsanlegestellen auf schwimmende Pontons verlegt, die auch heute noch in einer Gesamtlänge von 688 Metern genutzt werden. Allerdings legen hier keine großen Dampfer mehr an, sondern die Linienfähren der HADAG sowie Rundfahrt- und Ausflugsboote. In dem markanten und 205 Meter langen früheren Abfertigungsgebäude, das ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhunderts parallel zu den mittleren Anlegerbrücken errichtet wurde, befindet sich heute unter anderem ein originelles Hard Rock Café. An der Wasserseite des Turms ist unter der Uhr eine Pegelanzeige angebracht.

Der Alte Elbtunnel

Julia im Alten Elbtunnel

Wenn wir schon mal in der Nähe sind, stelle ich euch den 1911 eröffneten Alten Elbtunnel vor. Der markante Rundbau mit dem Eingang auf der St. Pauli-Seite befindet sich direkt hinter dem Gebäudekomplex der Landungsbrücken. Durch den  427 m langen Tunnel könnt ihr 21 Meter unter dem Flusspegel das gegenüberliegende Hafengebiet in Steinwerder zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. Für Fahrzeuge ist die Tunnelanlage wegen Renovierungsarbeiten bis auf weiteres gesperrt. Es lohnt sich aber durchaus, wenn ihr am Eingang einfach mal nach unten geht – oder mit dem Aufzug fahrt, um euch einen Eindruck zu verschaffen. Dafür müsst ihr vorläufig Mund- und Nasenschutz anlegen.

4. Fischmarkt

Weiter geht’s mit Fischbrötchen

So "geht" in Hamburg Matjesbrötchen

Ihr könnt jetzt an den Landungsbrücken weiter elbabwärts zu Fuß gehen und kommt nach 1,2 Kilometern zum Altonaer Fischmarkt mit der Fischauktionshalle. Außerhalb der Fischmarktzeiten hat dieser Fußweg den Charme, dass ihr dann an einer der besten Fischbuden Hamburgs an der Landungsbrücke 10 vorbei kommt. Oder ihr holt euch euer  Fischbrötchen (Matjes, Bismarckhering, Nordseekrabben) an einer der anderen Buden in Nähe der Landungsbrücke 3 und besteigt die Hafenfähre 62 in Richtung Finkenwerder. Sonntag morgens, während des Altonaer Fischmarkts, lohnt sich ein Ausstieg an der Fischauktionshalle, sonst könnt ihr bis zur nächsten Station an Bord bleiben. Auf der nur wenige Minuten dauernden Fahrt habt ihr herrliche Ausblicke auf die Landungsbrücken und zurückgewandt auch noch einmal auf die Elbphilharmonie. 

Wie eine kleine Basilika

Ankunft an der Altonaer Fischauktionshalle

Die im Jahr 1896 von Kaiser Wilhelm II. eingeweihte Altonaer Fischauktionshalle erinnert ein wenig an eine römische Basilika. Hier wurde bis zum zweiten Weltkrieg angelandeter Fisch gehandelt und versteigert. Später diente der rote Backsteinbau als  Lagerhalle, die in den 1970er Jahren in ein Kultur- und Veranstaltungszentrum umgewandelt wurde. Heute ist die bis zu 3.500 Besuchern fassende Halle unter privater Bewirtschaftung Schauplatz von allerlei Events und am Sonntagmorgen musikalischer Mittelpunkt des Fischmarktes. Während vor den Türen gehandelt wird, spielen hier Rock- und Popgruppen vor allem Klassiker aus diesen Genres. Hinweis: Die Fischauktionshalle ist wegen der Corona-Krise zurzeit geschlossen.

Bei Aale-Dieter & Co.

Auf dem Fischmarkt gibt's auch Wurst und noch viel mehr

Draußen vor der Halle und auf den angrenzenden Plätzen und Straßen schreien sich am Sonntagmorgen Aale-Dieter, Bananen-Fred, Käse-Tommi und die anderen Ikonen des Fischmarktes geradezu die Seele aus dem Leib, um Fisch, Fleisch, Wurst, Obst, Blumen und Gemüse gleich eimer- oder körbeweise unters Marktvolk zu bringen. Das besteht keinesfalls nur aus Touristen, sondern auch aus Hamburger*innen, die die Nacht entweder “durchgemacht” haben oder einfach besonders früh aufgestanden sind. Dabei sind die Preise an den Ständen durchweg günstig und die Qualität ist meistens in Ordnung. Fischmarkt ist sonntags von 05.30 bis 09.30 Uhr (April-Oktober) bzw. von 07.00 bis 09.30 Uhr (November bis März) Hinweis: Nach der Corona-Pause soll es voraussichtlich ab 7. Juni wieder losgehen.

5. Dockland

Begehbares Bürohaus

Dockland ist Bürohaus und Aussichtspunkt

Das folgende Stück entlang der Elbe, von der Fischauktionshalle bis zum Dockland Office Building, solltet ihr wieder mit der Hafenfähre 62 zurücklegen. Kurz vor Erreichen des nächsten Etappenziels passieren wir das 2011 eröffnete Cruise Center Altona, wo regelmäßig Kreuzfahrtschiffe an der Pier liegen. Gleich danach rückt das Dockland Office Building ins Blickfeld. Das Ende 2005 fertiggestellte sechsgeschossige Bürogebäude hat die Form eines Schiffes, wobei der Bug in das Wasser hinein ragt. Für Besucher Hamburgs ist das Gebäude vor allem als Aussichtspunkt interessant. An der hinteren Seite könnt ihr über 136 Treppenstufen die 25 Meter hoch gelegene Aussichtsplattform erklimmen.

Köhlbrandbrücke droht Abriss

Zusammenfluss von Norder- und Süderelbe mit Köhlbrandbrücke im Hintergrund

Von oben – wo es schon mal sehr zugig sein kann, auch wenn es unten noch windstill war – habt ihr eine weite Aussicht bis in das Zentrum des Hamburger Hafens hinein und hinüber zur Köhlbrandbrücke. Die wegen ihrer geschwungenen Form einst bestaunte Brückenkonstruktion, die die Elbinsel Wilhelmsburg mit der Autobahn A7 verbindet, ist inzwischen zu einem Problem geworden. Weil sie mit einer lichten Höhe von 53 Metern für die immer größer werdenden Schiffe einfach zu niedrig ist, soll die 1974 eröffnete Brücke bis  2030 abgerissen werden. Eine neue, höhere Köhlbrandbrücke wird es wohl nicht geben. Nach jahrelangem Hin und Her zwischen Politik und Wirtschaft, sowie dem Stadtstaat Hamburg und der Bundesregierung, zeichnet sich inzwischen ein Tunnel als Ersatz ab.

"Dicken Pötten" ganz nah

Die "dicken Pötte" scheinen zu Greife nahe zu sein

Das Dockland liegt auf der Höhe, wo sich die beiden Teile der Elbe wieder vereinen. Der Fluss teilt sich 14 km (Luftlinie) weiter südöstlich, um dann die Elbinsel Wilhelmsburg zu umströmen. Wir sind mit den Hafenfähren 72 und 62 bislang auf der Norderelbe unterwegs gewesen, während die Süderelbe vor allem durch die industriellen Teile des Hamburger Hafens führt. Ab der Anlegestelle Dockland setzen wir nun unsere kleine Kreuzfahrt auf der vereinten Elbe, die sich jetzt Unterelbe nennt, ein kleines Stück in Richtung Nordseemündung fort. Mit etwas Glück könnt ihr dabei großen Schiffen, die in Hamburg “Dicke Pötte” genannt werden, schon mal ganz nahe kommen. Wenn unser „Bügeleisen“ in Neumühlen hält, genießen wir vom Oberdeck aus den Blick auf den Museumshafen Övelgönne, bleiben aber vorerst an Bord. Wir kommen hier später noch einmal zurück.

6. Finkenwerder

Lotsenhaus Seemannshöft

Vorbeifahrt am Lotsenhaus Seemannshöft

Die Hafenfähre 62 hat inzwischen die Elbe überquert. Auf der Südseite halten wir zunächst an der Anlegestelle Bubendey Ufer, wo selten Passagiere in größerer Zahl zu- oder aussteigen. Die Station liegt einfach nicht an der “touristischen Route”. Dann folgt einer der bekanntesten Punkte im Hamburger Hafen. Wenn die Hafenfähre um den nun folgenden kleinen Landvorsprung herum fährt, seht ihr das Lotsenhaus Seemannshöft vom Wasser aus in voller Pracht. In dem 1914 errichteten Backsteinbau mit dem Signal- und Beobachtungsturm sind heute die Hamburger Hafenlotsen und weitere Institutionen der Hafenverwaltung untergebracht. Wenig später erreichen wir das Finkenwerder Fährterminal.

Rüschpark mit Aussichtsturm

Kleinere Hafenfähre am Anleger Rüschpark in Finkenwerder

Für den schon ländlich geprägten Hamburger Stadtteil Finkenwerder haben wir diesmal keine Zeit. Bei unserem nächsten Besuch auf der Südseite der Norderelbe werde ich für euch von hier aus zu einer Tour in das  zu Niedersachsen gehörende benachbarte Alte Land starten. Versprochen. Diesmal wechseln wir in Finkenwerder lediglich die Fähre. Gleich nebenan wartet meistens schon die Linie 64, die uns zunächst auf derselben Elbseite zum Anleger „Rüschpark“ bringt. Mein Tipp: Am Ende dieses 500 Meter langen Grünstreifens gibt es einen kleinen Aussichtsturm, von dem ihr ein- und ausfahrende Schiffe sehr schön beobachten und vor allem auch fotografieren könnt.

Blick auf die Airbus-Flugzeugwerft

Transportmaschine "Beluga" im Anflug auf den Airbus-Flugplatz

Ob nun mit oder ohne Abstecher zum Aussichtsturm – weiter geht’s in jedem Fall mit der Linie 64. Die Fähre überquert erneut die Elbe. Rückwärtsgewandt sieht man in der Ferne am Südufer das Gelände des Flugzeugbauers Airbus, das hier in Hamburg-Finkenwerder so groß ist wie 500 Fußballplätze. In den riesigen Montagehallen erfolgt die Endfertigung von vier Airbus-Typen. Der Flugzeugbauer ist mit (noch) 12.500 Mitarbeitern – nach den Asklepios Kliniken mit etwa 14.500 Beschäftigten – der zweitgrößte Arbeitgeber im Stadtstaat Hamburg. Mit ein wenig Glück kann man hier von der Fähre oder vom Elbufer aus Starts- und Landungen auf dem Flugplatz der Werft mitverfolgen. Werksführungen finden zurzeit nicht statt.

7. Teufelsbrück

Wo’s mit dem Teufel zuging

Fähranleger Teufelsbrück

Teufelsbrück mit Promenade, Yachthafen, Cafés und Restaurants ist ein traditionelles Ausflugsziel für Hamburger*innen. Der Name bezeichnete ursprünglich eine Brücke, die über die Flottbek führte, kurz vor der Mündung des Flüsschens in die Elbe. Über die Herkunft des Namens „Teufelsbrück“ gibt es verschiedene Legenden. Verbreitet ist die Version, dass an der früheren Furt durch die Flottbek häufig Pferdefuhrwerke zusammenbrachen. Die Fuhrleute befürchteten, dass es hier „mit dem Teufel zugehen“ müsse. Landeinwärts beginnt der Jenischpark, der als einer der schönsten Landschaftsgärten Norddeutschlands gilt. Von der 42 ha großen Fläche ist ein knappes Viertel Naturschutzgebiet. Hinweis: Ich werde euch diesen Park demnächst in der Reihe „Hamburg im Grünen“ vorstellen.

Ausflugsvariante mit Blankenese

Blankenese - nobler Stadtteil an der Elbe

Vom Fähranleger in Teufelsbrück könntet ihr alternativ auch zu Fuß an der Elbe flussabwärts entlang über gut 4 Kilometer bis in den Hamburger Nobelvorort Blankenese gehen. Dort erwarten euch neben dem sandigen Elbstrand mehrere bekannte Ausflugslokale wie Ponton op’n Bulln, wo ihr vom Fischbrötchen bis zum Hamburger Pannfisch eine Auswahl typisch norddeutscher Fischgerichte bekommt. Eine Möglichkeit wäre dann, im idyllischen Treppenviertel etwa 60 m bergauf zu steigen und vom S-Bahnhof Blankenese mit der S1 zu den Landungsbrücken oder in die Hamburger Innenstadt zurückzufahren.

Elbstrand und der Alte Schwede

Der "Alte Schwede" am Elbstrand

Planmäßig setzen wir unsere Tour ab Teufelsbrück mit einer etwa 4 km langen Wanderung entlang der Elbe zurück in Richtung Museumshafen Övelgönne fort. Dabei kommen wir an mehreren Strandabschnitten vorbei, am Hindenburgpark und am „Alten Schweden“. Das ist wahrlich ein Steinkoloss, der da im Sand liegt: 217 Tonnen schwer, mit einem Umfang von annähernd 20 Metern und 4,50 Meter hoch. Nachdem der vermutlich aus dem heutigen Ostseeraum stammende Findling – deswegen „Alter Schwede“ – während Ausbaggerungsarbeiten der Elbe im September 1999 entdeckt wurde, brauchte es mehrere Bergungsversuche, um ihn zu heben und an Land zu bringen. Nebenan lassen sich an warmen Sommertagen Familien am Elbstrand nieder und genießen die Aussicht auf die großen Pötte, die ganz nah vorbei ziehen.

8. Neumühlen/Museumshafen Övelgönne

Schöner Museumshafen

Feuerschiff Elbe 3 im Museumshafen Övelgönne

Der Museumshafen am Fähranleger Neumühlen ist auf private Initiative im Jahr 1976 entstanden und wird auch ehrenamtlich weitergeführt. Rund 600 freiwillige Mitarbeiter*innen kümmern sich um ein Dutzend historischer Schiffe: Vom großen Segelschiff, über Dampfschlepper, Polizeiboot, Barkasse, Schwimmkran oder Feuerschiff, die alle fahrbereit sind. Hier findet ihr kein umzäuntes Freigelände eines klassischen Museums. Wenn Besatzungen auf den Schiffen sind, könnt ihr diese gern ansprechen. Gegen eine kleine Spende zeigt man euch gern die mit viel Aufwand restaurierten Schiffe. Weitere Informationen findet ihr auf der Website Museumshafen Övelgönne

Dem Michel entgegen

Noch ein Blick auf die Landungsbrücken mit dem Michel

Besonders schön ist es auf dem Fähranleger in Neumühlen, wenn am Abend die Sonne im Westen über der Elbe untergeht. Andererseits ist das wiederum zu spät, um die Einfahrt in den inneren Hafen mit der atemberaubenden Aussicht auf den Michel und die Landungsbrücken mit dem darüber liegenden Hotel Hafen Hamburg noch bei Tageslicht zu genießen. Um das nicht zu verpassen,  geht ihr in Neumühlen an Bord der Fähre 62 und fahrt mit bis zur Endstation, die sich im Gegensatz zur Abfahrt an Brücke 3, nunmehr an Brücke 1 befindet. Vorn auf dem Oberdeck seht ihr Hamburg so wie von keiner anderen Stelle aus. Und wenn das Wetter auch noch mitspielt, werdet ihr mir Recht geben: Hamburg ist wirklich Deutschlands Tor zur Welt.

Wenn ihr diese Tour gemacht habt, kennt ihr ein gutes Stück von unserem wunderbaren Hamburger Hafen. Wenn ihr Lust auf weitere Touren habt, abonniert am besten meinen Newsletter. Feedback mit Lob, Kritik und Anregungen nehme ich gern per E-Mail an@horst-mueller.de entgegen. Danke, dass ihr virtuell mit mir im Hamburger Hafen unterwegs wart. 

Sonnenuntergang auf der Unterelbe.