Das Tagebuch unserer Reise nach Südafrika vom 22. Januar bis 3. Februar 2025. In diesem Blogeintrag könnt ihr nachsehen, was wir in 13 Tagen in Kapstadt, an der Whale Coast, auf der Garden Route, im Wine Land und schließlich auf der Kap-Halbinsel gesehen und erlebt haben. Dazu bekommt ihr viele Tipps für eure erste – oder nächste – Reise nach Südafrika. Auch wenn ihr mit einem Kreuzfahrtschiff nur für ein oder zwei Tage in Kapstadt seid, könnt ihr ganz bestimmt von unseren Erfahrungen profitieren.
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Prolog: Vor unser Südafrika-Reise
Wiedersehen nach über 30 Jahren

Hamburg im Januar 2025 | Eigentlich stand Südafrika nicht besonders weit oben auf unserer Liste der noch zu bereisenden Ziele (Neudeutsch: Bucket List). Schließlich waren wir schon mal an der Südspitze des afrikanischen Kontinents. Das liegt allerdings schon weit mehr als 30 Jahre zurück. Damals, Anfang der 1990er Jahre, kurz nachdem Nelson Mandela aus dem Gefängnis entlassen worden war und die Apartheid – zumindest offiziell – endete, hatte Inge mit einer Journalistengruppe auf Einladung des Südafrikanischen Generalkonsulats unter anderem Johannesburg, Pretoria und Kapstadt besucht. Nahezu zeitgleich war ich mit dem Kreuzfahrtschiff MS Berlin in Durban, Gqeberha (ehemals Port Elizabeth) und Kapstadt. Die Erinnerungen an unsere damaligen Besuche in Südafrika sind nur noch marginal. Fotos oder Videos haben wir damals vermutlich gar nicht gemacht – zumindest blieb unsere intensive Suche nach analogen Bildern auf dem Dachboden erfolglos.

Dass wir nun doch im Januar 2025 in Richtung Südafrika aufbrechen, haben wir einmal mehr Julia zu verdanken. Unsere Tochter ist im Rahmen ihrer Doktorarbeit seit Anfang des Jahres in Kapstadt. Nun hat sie sich 13 Tage Zeit genommen, um mit uns gemeinsam die Metropole am Kap der Guten Hoffnung und ein Stück der Südküste des Afrikanischen Kontinents zu erkunden. Wenige Tage vor dem Abflug in Hamburg überrascht uns Julia mit einem detaillierten Reiseplan, in dem sie nicht nur die Ziele unserer Reise, sondern auch die Unterkünfte sowie sogar schon einzelne Restaurants aufführt.
1. Kapstadt: Metropole unterm Tafelberg
Beste Aussichten in Kapstadt

1. Tag – Mittwoch, 22. Januar 2025
- Ankunft am Flughafen in Kapstadt
- Fahrt mit Uber zur Ferienwohnung
- Am Aussichtspunkt „The Rock“ in Kapstadt
- Abendessen „Bouchon Wine Bar & Bistro“
- Übernachtung (4 Nächte): „The nest“ Airbnb in Gardens CPT
28 Kloof Nek Rd, Gardens, Cape Town, 8001
Wow! Das kann sich sehen lassen. Als wir nach 20 Stunden Anreise (von Hamburg mit „Swiss“ über Zürich nach Johnnesburg und weiter mit „Air Link“ nach Kapstadt“) endlich in unserer Ferienwohnung im Stadtteil Gardens ankommen, sind wir sofort begeistert: Julia hat bei der Auswahl unserer Unterkunft für vier Nächte in Kapstadt ein „goldenes Händchen“ gehabt. Das Apartment ist nicht nicht nur komfortabel eingerichtet und mit allem Notwendigen ausgestattet. Das Highlight ist die Dachterrasse mit Blick auf die Metropole unterm Tafelberg.

Den Stadtteil Gardens hat unsere Tochter nicht zufällig ausgewählt. Das Gebiet unterhalb des Tafelbergs zählt zu den sicheren Teilen Kapstadts. Hier kann man auch zu Fuß kürzere Strecken zurücklegen – zumindest tagsüber, so lange es noch hell ist. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man in ganz Kapstadt nur noch im Auto mit geschlossenen Türverriegelungen unterwegs sein. Julia nutzt dafür seit ihrer Ankunft in Südafrika grundsätzlich Uber, auch für Fahrten in Vororte oder zum Flughafen. Je nach Entfernung zahlt man für eine Stadtfahrt zwischen (umgerechnet) 3 und höchstens 10 Euro.

Von einem Uber-Fahrer haben wir uns am späten Nachmittag dann auch auf den Aussichtspunkt „The Rock“ bringen lassen. Der liegt oberhalb vom Clifton Beach an der Westseite von Kapstadt. Den Strand wollen wir uns in den nächsten Tagen auch noch von unten aus ansehen. Heute genießen wir in 670 m Höhe die herrlichen Aussichten auf den Pazifik unter uns und den Tafelberg hinter uns. Die meisten, die mit uns hier oben sind, warten auf den Sonnenuntergang, der malerisch sein soll – wie Julia uns versichert, die das herrliche Naturschauspiel an dieser Stelle schon einmal erlebt hat. Weil wir an diesem ersten Abend noch zu müde von der langen Anreise nach Kapstadt sind, verschieben wir unseren ersten Sonnenuntergang in Südafrika auf den nächsten Abend.

Den Tag lassen wir ausklingen in dem hübsch eingerichteten Restaurant „Bouchon Wine Bar & Bistro“ mit in Tapas-Größe servierten Köstlichkeiten; u.a. zarte Spareribs, Pilzrisotto und gebackener Camembert. Als wir später in unsere Ferienwohnung an der Kloof Nek Road zurückkehren, haben wir von dort einen freien Blick auf den abends erleuchteten Tafelberg. Besser hätte unser erster Tag in Südafrika nicht enden können.
Happy End auf dem Signal Hill

2. Tag – Donnerstag, 23. Januar 2025
- Frühstück: The Power & The Glory
- Bo-Kaap – der bunte Stadtteil von Kapstadt
- Privater Besuch bei Andrea
- Sonnenuntergang mit Picknick auf dem Signal Hill
Das kam nun wirklich überraschend: Als wir nach unserer ersten Nacht in Kapstadt morgens aus dem Fenster sehen, ist es grau und regnet sogar ein wenig. Dabei hatten alle von uns genutzten Wetterdienste für den heutigen Donnerstag herrliches Sommerwetter mit Temperaturen von mehr als 30 Grad vorhergesagt. Gut, dass das von Julia ausgesuchte Frühstückslokal nur wenige hundert Meter von unserer Ferienwohnung entfernt ist.

Im urig gestalteten „The Power & The Glory“ werden morgens Frühstück und tagsüber Snacks angeboten. Ab 17.00 Uhr wird das Café dann zu einer rustikalen Bar. An den Plätzen am offenen Fenster gegenüber des Tresens bestellen wir Avocado Toast sowie Cereals mit Joghurt und vielen Früchten. Dazu gibt’s besten Flat White und Latte Macchiato. Am Ende zahlen wir pro Person umgerechnet nicht mal 5 Euro. In den kommenden Tagen werden wir immer wieder feststellen, dass die Preise in Kneipen und selbst in guten Restaurants sehr günstig sind. In Kapstadt zahlen wir gut die Hälfte der Preise im Vergleich zur Hamburger Gastronomie.

Kapstadt ist voller Kontraste, doch kaum ein Viertel erzählt seine Geschichte so lebendig wie Bo-Kaap. Die vorwiegend kopfsteingepflasterten Straßen schlängeln sich zwischen bunten Häusern über die hügeligen Ausläufer des darüber liegenden Signal Hill. Diese Häuser wurden vor allem im 18. Jahrhundert als Sklaven-Unterkünfte errichtet. Nach dem offiziellen Ende der Sklaverei in Südafrika im Jahr 1833 lebten hier vorwiegend Kontraktarbeiter, die als billige Arbeitskräfte aus dem heutigen Malaysia ans Kap geholt wurden und bis heute Kap-Malaien genannt werden.

Seit dem Zugzug der Südostasiaten ist Bo-Kaap islamisch geprägt. In dem Stadtteil mit etwa 6.000 Einwohnern gibt es allein 10 Moscheen. Zudem sieht man hier viele Bewohner in der typischen Kleidung islamischer Länder. Frauen in Hijab oder gar Burka sind wir auf unserem einstündigen Bummel durch die bunten Straßen jedoch nicht begegnet; dafür vielen Touristen, die hin und wieder auch deutsch sprachen. Bo-Kaap gehört in Kapstadt längt zu den bevorzugten touristischen Zielen. Wer mehr Zeit hat als wir an diesem Tag, kann das Bo-Kaap Museum besuchen und/oder in einem der Restaurants traditionelle kap-malaiische Gerichte probieren, wie das Cape Malay Curry.


In Andreas Nachbarschaft gibt’s einen SPAR-Markt, der im Hinblick auf Ausstattung und Angebot locker mit Hamburger Supermärkten mithalten kann. Hier fällt uns auf, dass das Preisgefüge – im Gegensatz zur Gastronomie – gar nicht mal so weit unter deutschem Niveau liegt. Günstig werden vor allem Obst und Gemüse angeboten. Wir versorgen uns hier mit Sandwiches, Obst und Softdrinks für unser geplantes Picknick auf dem Signal Hill. Als wir dort gegen 19.00 Uhr von einem Uber-Fahrer abgesetzt werden, ist der mit riesigen Folien überzogene Bergrücken des Signal Hill schon gut besetzt. Alle warten auf den Sonnenuntergang in gut einer Stunde.

Wir nutzen die Zeit bis dahin, um die Aussichten von dem 350 m hohen Berg zu genießen und jede Menge Fotos zu machen. Der Signal Hill ist dem Tafelberg vorgelagert. Vom Gipfel können wir einerseits auf die Atlantikküste mit der vorgelagerten früheren Gefängnisinsel Robben Island blicken, auf der Nelson Mandela 18 Jahre lang gefangen gehalten wurde. Auf der anderen Seite sehen wir hinunter auf den Hafen und das Stadtzentrum. Kapstadt wirkt vom Aussichtspunkt überschaubar. Tatsächlich leben im eigentlichen Stadtgebiet auch nur etwa 450.000 Menschen – und damit weniger als beispielsweise in Nürnberg. In der Metropolregion am Kap wird die Bevölkerungszahl allerdings auf etwa 5 Millionen geschätzt.

Der Signal Hill gilt als einer der schönsten Aussichtspunkte in Kapstadt. Noch spektakulärer – so erklärt uns Julia – sollen die Rundumsichten vom knapp 700 m hohen Lion’s Head sein. Das Vergnügen haben Inge und ich uns allerdings erspart, weil uns unsere Tochter vor den strapaziösen Klettereien warnte, die man dort in Kauf nehmen müsse.

Kurz nach 20.00 Uhr sehen wir vom Signal Hill aus, wie die Sonne vor uns zunächst durch eine dünne Wolkenschicht gleitet und dann im Atlantik versinkt. Nach dem verregneten Tagesbeginn empfinden wir diesen Augenblick wie unser Happy End auf dem Signal Hill.
Auf dem Tafelberg und an der Waterfront

3. Tag – Freitag, 24. Januar 2025
- Mit der Seilbahn auf den Tafelberg
- Spätes Frühstück im „The Electric“
- Besuch der Waterfront
- Cape Town Sunset Cruise
- Abendessen im Time Out Market (Waterfront)
Julia hat unseren Südafrika-Aufenthalt präzise geplant. Für diesen Morgen hat sie vorgesehen, dass wir nach einem „schnellen Kaffee“ in unserer Ferienwohnung sofort mit einem Uber zur 360 m hoch gelegenen Talstation der Tafelberg-Seilbahn fahren, die offiziell „Table Mountain Aerial Cableway“ heißt. Als wir dort ankommen, warten nur wenige Gäste vor dem Einstieg zu den runden Gondeln, die sich während der nur wenige Minuten dauernden Fahrt hinauf auf den Tafelberg um sich selbst drehen. Zwei Stunden später werden schon Hunderte in der Schlange ungeduldig auf die Fahrt nach oben warten. Alternativ könnte man auch zu Fuß auf den Berg wandern. Das soll etwa anderthalb Stunden dauern – aber durchaus „machbar“ sein.

Oben in 1.087 m Höhe angekommen, haben wir ein wahrlich majestätisches Panorama vor uns, auch wenn über Kapstadt eine leichte Dunstglocke liegt. Wir können aber in der Ferne gut erkennen, dass das Luxus-Kreuzfahrtschiff „MS Europa“ von Hapag-Lloyd Cruises gerade den Hafen von Kapstadt ansteuert. Anders als bei anderen Aussichtspunkten ist es auf dem Tafelberg nicht damit getan, mit der Seilbahn hinaufzufahren, eilig ein paar Fotos zu machen, um bald darauf wieder die Talfahrt anzutreten. Wir haben uns für das Plateau etwa zwei Stunden Zeit genommen – und das ist gut so.

Über gut angelegte Wege, die kaum Steigungen enthalten, erreichen wir von der Bergstation mehrere spektakuläre Aussichtspunkte, die jeder für sich allein schon die Seilbahnfahrt gelohnt hätte. Auf dem Tafelberg-Plateau legen wir eine Strecke von knapp 3 km zurück. Immer wieder haben wir uns dabei an Spaziergänge oder Wanderungen in den Alpen erinnert.

Hier auf dem Tafelberg soll es angeblich auch für Menschen gefährliche Tiere wie die giftige Kapkobra geben. Die haben wir zum Glück nicht entdeckt. Dafür begegnen wir immer wieder Klippschliefern, die sich in den Felsspalten unterhalb des Rundweges auf dem Plateau eingerichtet haben. Die etwa kaninchengroßen Tiere werden in Südafrika „Dassies“ genannt und sind tatsächlich das erste „Wildlife“, dem wir auf unserer Reise begegnen. Auf Tafeln werden wir sogar davor gewarnt, Dassies zu füttern, weil sie dabei auch beißen könnten. So manche Tafelbergbesucher werden wohl diese Warnungen ignorieren, wie man an der Leibesfülle der Tiere erkennen kann.

Nach gut zwei Stunden auf dem Tafelbergplateau sind wir überzeugt, das Wichtigste gesehen und fotografiert zu haben. Außerdem ist es inzwischen auf dem Berg so voll geworden, dass sich vor den bevorzugten Aussichtspunkten regelrechte Warteschlangen bilden. Auf dem Weg zurück zur Bergstation der Seilbahn macht Julia noch ein Familien-Selfie vor der fantastischen Kulisse des Kap-Gebirges.

Das verspätete Frühstück gibt’s heute in „The Electric“. Das in seiner Art durchaus extravagante Café in der Canterbury Street am Rande des Zentrums wirkt von außen zunächst wie eine heruntergekommene Werkstatt. Innen sind wir jedoch sofort von der pfiffigen Dekoration und der freundlichen Atmosphäre angetan. Das Angebot ist so umfassend und innovativ wie in guten Frühstückslokalen in Hamburg, Madrid oder New York: Von Yoghurt- und Eiergerichten bis zu ausgiebigen Frühstückstellern. Nur viel preiswerter ist es hier – im Vergleich zu allen anderen uns bekannten Metropolen.

Am späten Nachmittag sind wir im touristischen Zentrum von Kapstadt. Die Victoria & Alfred Waterfront wird eigentlich nur als „Waterfront“ bezeichnet und besteht aus einem restaurierten Werft- und Hafenviertel rund um die beiden historischen Becken des Hafens. Neben Segelyachten und Ausflugsbooten gibt’s hier jede Menge Gastronomie, ein Einkaufszentrum und ein Aquarium. Die Waterfront macht auf uns eher den Eindruck, als seien wir in Disneyland gelandet und nicht in einem Hafenviertel. Dazu erreichen die Preise für Essen, Trinken, Souvenirs und Rundfahrten durchaus europäisches Niveau.

Abschluss – und weiterer Höhepunkt dieses Tages – ist die Cape Town Sunset Cruise auf einem schicken Katamaran. Dabei mussten wir uns die lange im Voraus gebuchten – und bezahlten – Plätze erst einmal erstreiten. Als wir zum Boot kamen, wurde uns nämlich erklärt, dass wir nicht auf der Liste stünden und die Fahrt heute Abend ausgebucht sei. Julia wollte sich mit dieser Auskunft jedoch nicht begnügen. Nach persönlicher Intervention beim Geschäftsführer des Anbieters konnten wir schließlich an Bord gehen.

Der Ärger über unsere irgendwie fehlgeleitete Buchung war dann bald vergessen. Mit Gin Tonics in der Hand ließen wir uns von dem motorbetriebenen Katamaran an der Silhouette Kapstadts entlang in den Sonnenuntergang schippern.

Noch ein Hinweis für Kreuzfahrer, die häufig leider nur einen Tag in Kapstadt haben: Bei einigermaßen schönem bzw. klaren Wetter solltet ihr unbedingt den Tafelberg individuell besuchen. Sofort nach Freigabe eures Schiffes nehmt ihr euch einen Uber und fahrt damit zur Talstation (ca. 20 Min., 6-7 €). Die Karten für die Seilbahn bucht ihr im Voraus auf der offiziellen Website der Table Mountain Areal Cableway.
On the Beach

4. Tag – Samstag, 25. Januar 2025
- Frühstück: Oranjezicht City Farm Market
- Promenaden- und Strandwanderung;
Von Mandela Glasses bis Camps Bay Beach (7 km) - Abendessen im Kloof Street House
Also mit lange Ausschlafen wurde es auch heute nichts. Julia hat für diesen Samstagmorgen ein weiteres Highlight geplant: Gegen 9 Uhr sollten wir aus ihrer Sicht auf dem Oranjezicht City Farm Market ankommen, bevor’s zu voll wird. Der Markt liegt gegenüber dem einer riesigen Schüssel gleichenden Cape Town Stadium und gilt als der schönste Markt in Kapstadt und Umgebung.

Zu kaufen und probieren gibt’s hier so ziemlich alles das, was Südafrika zu bieten hat: Vor allem frisches Obst und Gemüse. Dazu eine große Auswahl an Wurst- und Käsespezialitäten. Für unser Frühstück haben wir uns frische Brote mit Avocados, Käse, Tomaten und Ei belegen lassen. An einem langen Holztisch kommen wir dann schnell mit Südafrikanern ins Gespräch, die alle irgendwelche verwandtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland haben.

Unsere etwa 7 km lange Wanderung entlang der Strände von Kapstadt beginnen wir bei den Mandela Glasses. Das Denkmal des südafrikanischen Künstlers Michael Elion wurde hier im Jahr 2014 zu Ehren des damals ein Jahr zuvor verstorbenen ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela installiert. Allerdings ist das Kunstwerk in Kapstadt umstritten und wird von vielen als „touristischer Kitsch“ abgelehnt. Wir machen dennoch ein Erinnerungsbild für diesen Blog, bevor wir unsere Küsten- und Strandtour fortsetzen.

Umso weiter wir uns vom Hafen entfernen, desto schicker werden die Häuser an den Hängen oberhalb der Küste. Sea Point oberhalb des Queen’s Beach gehört zu den bevorzugten Stadtteilen Kapstadts. Die Felsenküste ist hier in Privatbesitz. Dichte Sicherheitszäune um die luxuriösen Anwesen geben nur selten den Blick auf den Atlantik frei. Nach einer kurzen Mittagspause mit Kaffee und Sandwiches in einer „Eatery“ folgen wir der Straße bis zum Clifton Beach.

Diesen Strand hatten wir schon am ersten Abend vom Aussichtspunkt „The Rock“ aus knapp 700 m Höhe bestaunt und fotografiert. Der 1 km lange, weißsandige und malerisch mit Felsen umrahmte Clifton Beach zählt zu den beliebtesten Stränden in Kapstadt. Auch an diesem Samstagnachmittag herrscht hier reger Betrieb. Kapstädter entspannen sich unter Sonnenschirmen. Gelegentlich huschen sie zur Erfrischung ins Wasser.

Badefreuden sind hier allerdings begrenzt. Selbst im südafrikanischen Sommer von Dezember bis Februar erreichen die Wassertemperaturen des Atlantiks selten 20 Grad und darüber. Inge und Julia wollen das angesichts der warmen Außentemperatur nicht so recht glauben. Als die beiden nur kurz barfuß durchs Wasser laufen, sind sie eines Besseren belehrt und geben alle Pläne für ein ausgiebiges Bad gleich wieder auf.

Das vorerst letzte Abendessen in Kapstadt gibt’s im feinen Kloof Street House. Die hier mit uns im Garten des stattlichen Anwesens nahe des Zentrums dinieren, zählen ausweislich ihrer feinen Kleidung zu den gut verdienenden Südafrikanern. Julia hatte für uns bereits Wochen zuvor drei Plätze für diesen Samstagabend gebucht. Das reicht bei so einem populären Restaurant allerdings nicht aus. Wenige Tage vor dem Essen erhielt unsere Tochter nochmals eine E-Mail mit der Aufforderung, die Reservierung zu bestätigen – ansonsten wären die Plätze futsch gewesen. Zum Glück hat Julia bestätigt und wir haben einen schönen Abend mit gutem Essen in stilvollem Ambiente zu Preisen, die im Vergleich zu Deutschland immer noch günstig sind.
2. Hermanus/Whale Coast
Sonnen- und Schattenseiten Südafrikas

5. Tag – Sonntag, 26. Januar 2025
- Frühstück: The Power & The Glory
- Übernahme des Mietwagens am Flughafen Kapstadt
- Fahrt nach Hermanus (111 km)
- Stops an mehreren Aussichtspunkten:
Kogel Baai Beach, Clarence Drive Outlook Point, Pringle Bay Beach - Pinguine am Stony Point Pkwy
- Sonnenuntergang am Cliff Path in Hermanus
- Übernachtung: Esplanade Hermanus
63 Marine Dr, Hermanus, 7200
In den ersten vier Tagen unseres Aufenthaltes haben wir in Kapstadt fast nur die Sonnenseite Südafrikas gesehen: Ein modernes Stadtzentrum, faszinierende Aussichten und nahezu blütenweiße Strände. Wir trafen fast immer auf gut gelaunte, freundliche und hilfsbereite Menschen. Viele von denen, die uns den Aufenthalt so überaus angenehm gestalten – die Uber-Fahrer, Bedienungen in Restaurants, Verkäufer, Putzhilfen und Sicherheitsleute – leben jedoch nicht in den feinen Teilen Kapstadts, sondern außerhalb in den Townships.

Khayelitsha – das mit geschätzt 1,5 Millionen Bewohnern größte Township der Metropolregion und gleichzeitig eines der größten Südafrikas – passieren wir, nachdem wir unseren Mietwagen am Flughafen abgeholt haben, auf der Nationalstraße in Richtung Osten. Kilometerlang fahren wir an Wellblech- und Holzhütten vorbei, die von Bretterzäunen umgeben sind. Vor den Zäunen der hier vierspurigen Nationalstraße stapeln sich Müllhaufen. Zum ersten Mal während unseres Aufhalts in der Kap-Region überkommt uns ein beklemmendes Gefühl.

Eine halbe Stunde später sind wir schon wieder an der Sonnenseite Südafrikas – jetzt am östlichen Ufer der False Bay mit dem Kogel Baai Beach. Wir begnügen uns damit, diesen herrlichen Strand von einem Aussichtspunkt an der Straße zu fotografieren. Dann fahren wir weiter über die kurvenreiche Küstenstraße mit vielen herrlichen Ausblicken auf Felsenküste und Sandstrände.

Gut 15 km südlich erreichen wir den Pringle Bay Beach. Inzwischen haben graue Regenwolken den zuvor strahlend blauen Himmel verdeckt. Als wir die kurze Strecke vom Parkplatz durch die Dünen zum Strand gehen, fängt es sogar an zu regen. Uns fröstelt. Also brechen wir den eigentlich geplanten Aufenthalt an dem traumhaft schön gelegenen Strand gleich wieder ab und hoffen darauf, dass uns später die Pinguine bei besserem Wetter erwarten.

Als wir am Stony Point Penguin Colony ankommen, hört es tatsächlich auf zu regnen. In diesem Naturreservat am Ausgang der False Bay, 65 km Luftlinie südwestlich von Kapstadt, bevölkern hunderte Afrikanischer Pinguine (auch „Brillenpinguine“) die Felsenküste. Die Tiere sind mit 60 bis 70 cm kleiner als die meisten anderen Pinguin-Arten – aber mindestens ebenso niedlich. Hier im Reservat kommt man über einen gut angelegten Bohlenweg sehr nah an die putzigen Vögel heran. Die stehen zumeist in kleinen Gruppen auf den Felsen und scheinen uns menschliche Besucher eher gleichgültig zu betrachten. Weil die Pinguine einfach so süß sind, verbringen wir am Stony Point viel mehr Zeit, als Julia für dieses Zwischenziel eigentlich eingeplant hatte.

Trotzdem schaffen wir es noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang unser Tagesziel Hermanus zu erreichen. Die gut 30.000 Einwohner zählende Stadt liegt auf einem schmalen Küstenstreifen zwischen der Fernkloof-Bergkette und der Whale Coast. Der Name kommt nicht von ungefähr. Hier an der Küste kann man von Juli bis Dezember Südkaper beobachten. Diese Walart kann bis zu 18 m lang und 80 Tonnen schwer werden. Wir sind hier außerhalb der „Walsaison“ und bekommen die Meeressäuger erwartungsgemäß nicht zu Gesicht. Also machen wir einen Spaziergang über den Cliff Path. Der schön angelegte und gepflegte Bohlenweg führt unweit des Stadtzentrums über Felsen an der Whale Coast.

Später, nach dem Abendessen im italienischen Restaurant Embers – Wood Fired Oven auf der Harbour Road (hier hätten wir besser Holzofenpizza im neapolitanischen Stil statt Pasta bestellen sollen), kehren wir auf den Küstenpfad zurück. Angesichts des teilweise verregneten Tages freuen wir uns schließlich über den faszinierenden Sonnenuntergang über der Whale Coast.
3. Wilderness an der Garden Route
Wolkenbrüche auf der Garden Route

6. Tag – Montag, 27. Januar 2025
- Frühstück: The Handmill Coffee Shop (Hermanus)
- Fahrt von Hermanus nach Wilderness (365 km)
- Einkaufen: SPAR, Beacon Rd, Wilderness, 6560, Südafrika
- Übernachtung (2 Nächte): Boardwalk Lodge Wilderness
Young Terrace, Wilderness, George, 6560
Nachdem wir am Tag zuvor unseren Mietwagen am Flughafen von Kapstadt übernommen hatten, musste ich mich nur kurz auf den Linksverkehr einstellen. Erleichtert wurde mir das durch die rücksichtsvolle Fahrweise der Südafrikaner. Schon nach einigen Kilometern fühlte ich mich recht sicher. Dass ich mich heute weniger wohl fühle liegt nicht am Linksverkehr, sondern an den zum Teil heftigen Regenfällen, verbunden mit kräftigen Seitenwinden, die unseren Suzuki SUV gelegentlich ganz schön ins Schwanken bringen.

Wegen des schlechten Wetters beschließt der „Familienrat in einer eilig einberufenen Sondersitzung“, dass wir keinen Abstecher zum Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt Afrikas machen, wo auch der Atlantik im Westen in den Indischen Ozean im Osten übergeht. Das wäre ein Umweg von immerhin 180 km gewesen. Bei diesem Schietwetter sind wir froh, die insgesamt 365 km lange Teilstrecke bis zu unserem Tagesziel, Wilderness, ohne Probleme zurücklegen zu können.

Weil wir zuvor das Kap Agulhas ausgelassen haben, kommen wir bei dem Küstenort Mossel Bay erstmals an den Indischen Ozean. Auch hier verzichten wir auf den geplanten Stop, weil aus den heftigen Regenfällen inzwischen regelrechte Wolkenbrüche geworden sind. Die Straße hat ab hier zwar den schönen Namen „Garden Route“. Die Fahrt darauf wird angesichts der schlechten Wetterverhältnisse allerdings zur Tortur.

Wir sind heilfroh, als wir am späten Nachmittag die Boardwalk Lodge im Küstenort Wilderness erreichen. Die zweigeschossigen Holzhäuser der Anlage liegen verteilt an einem grünen Hang oberhalb der Garden Route und dem Indischen Ozean. Trotz Dauerregens können wir uns gut vorstellen, wie fantastisch die Aussicht von hier aus bei schönem Wetter sein muss. Von der Fahrt sind wir drei so geschafft, dass wir beschließen, heute nicht mehr Essen zu gehen. Stattdessen besorgt Inge im naheliegenden SPAR-Supermarkt Nudeln, Sauce, Obst und Gemüse. Daraus „zaubert“ sie ein herrliches Abendessen, das wir im Wohnzimmer unserer außergewöhnlich schönen Unterkunft gemeinsam genießen.
Auszeit in Wilderness

7. Tag – Dienstag, 28. Januar 2025
- Frühstück & Abendessen: Selbstverpflegung in der Lodge
- Tagsüber „ausruhen“ in der Boardwalk Lodge
- Aussichtspunkt „Map of Africa“ am frühen Abend
Als wir an diesem Morgen in unserer luxuriösen Lodge oberhalb des Indischen Ozeans aufwachen, erkennen wir schnell, dass die ohnehin schlechten Wetterprognosen in der Realität noch „unterboten“ werden. Es regnet in Strömen. Von der Terrasse unserer Unterkunft können wir den nahen Indischen Ozean zwar rauschen hören, jedoch nicht sehen. Den geplanten Ganztagsausflug zur 80 km entfernten Plettenberg Bay können wir ebenfalls „knicken“.

Statt uns über wetterbedingt ausgefallene Erlebnisse lange zu ärgern, tun wir über weite Teile dieses Tages das, was auch zu einem guten Urlaub dazu gehört: Ausgiebig faulenzen, lesen, diskutieren – ohne wirklich zu streiten und immer wieder mal auf unseren Wetter-Apps nach etwas Sonnenschein zu suchen. Als wir am späten Nachmittag die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, tauchen plötzlich blaue Löcher am finsteren Himmel auf. Eine Stunde später haben wir von der Terrasse unserer Lodge freie Sicht auf Victoria Bay und dazu einen überwiegend blauen Himmel.

Das nunmehr schönere Wetter nutzen wir und fahren zuerst über enge Bergstraßen und schließlich über einen langgezogenen Schotterweg zum Aussichtspunkt „Map of Africa“. Unterwegs passieren wir eine ärmliche Siedlung. Die Straße wird an dieser Stelle von zwei Polizeiwagen mit laufendem Blaulicht eingeengt. Es sieht so aus, als wenn die Beamten hier sind, um Streit zu schlichten. Als wir uns nähern, werden wir sofort freundlich durchgewunken. Wenig später erreichen wir den Aussichtspunkt, der in jedem Reisebericht über die Garden Route als besondere Sehenswürdigkeit herausgestellt wird. Die Besonderheit liegt in der einzigartigen Landschaftsformation: Der Flusslauf des Kaaimans River formt eine Gestalt, die stark an die Umrisse des afrikanischen Kontinents erinnert – daher der Name „Map of Africa“.
4. Garden Route Game Resort (Albertinia)
Auf der Suche nach großen und wilden Tieren

8. Tag – Mittwoch, 29. Januar 2025
- Frühstück: Selbstverpflegung in der Boardwalk Lodge (Wilderness)
- Fahrt von Wilderness nach Mossel Bay (60 km)
- Klippen am Mossel Bay Point
- Kaffee & Kuchen: Blue Shed – Coffee Roastery (Mossel Bay)
- Fahrt von Mosselbay zur Garden Route Game Lodge (48 km)
- Sunset Jeep-Safari im Garden Route Game Resort (ca. 2 Stunden)
- Abendessen & Übernachtung: Garden Route Game Lodge
N2, Albertinia, 6695
Unser heutiges Ziel ist die Garden Route Game Lodge. Wir wollen endlich große und wilde Tiere sehen. Doch bis dahin haben wir noch etwas Zeit. Unsere erste „Safari“ beginnt erst am späten Nachmittag. Zuvor verlassen wir unsere wundervolle Unterkunft in Wilderness und fahren zurück in Richtung Westen. Unsere erste Station ist Mossel Bay. Die Stadt war im 19. Jh. als Walfangstation gegründet worden. Heute leben hier etwa 60.000 Menschen, im Großraum sogar 170.000. Wale dürfen in Südafrika seit Ende der 1970er Jahre nicht mehr gefangen werden. Heute dreht sich hier vieles um Erdgasfelder, die in den 1980er Jahren 50 km vor der Küste im Indischen Ozean entdeckt worden sind.

Ähnlich wie Hermanus ist auch Mossel Bay bekannt dafür, dass man hier zwischen Mai und Oktober Wale und Delphine sehen kann. Jetzt, außerhalb der Meeressäuger-Saison, erfreuen wir uns an den Felsformationen auf der kleinen Halbinsel Cape St. Blaize. Die Szenerie wird überragt von dem 1864 fertiggestellten Cape St. Blaize Lighthouse. Irgendwie kann ich Inge und Julia nicht dazu überreden, auf den knapp 100m hohen Hügel zu klettern, um den Leuchtturm zu besichtigen und die Aussicht von dort zu genießen.

Also bleiben wir unten am Wasser. Über eine schmale Brücke erreichen wir die vorgelagerten Felsen. Nur wenige Meter weiter kracht die reißende Gischt des Indischen Ozeans auf die Küstenfelsen in Mossel Bay. Das Erlebnis ist einfach großartig.

Jetzt haben wir Lust auf eine Kaffeepause. Julia hat über Google Maps die „Blue Shed – Coffee Roastery“ mit Spitzenbewertung entdeckt. Das Café liegt am Stadtrand und macht auf den ersten Blick den Eindruck einer chaotisch unaufgeräumten Autowerkstatt. Als wir den Innenraum betreten erkennen wir allerdings, dass hier vielmehr Sammlerstücke liebevoll restauriert ausgestellt sind: Von Schiffsmodellen über eine Kaffeeröstmaschine bis zu einem Roboter, der aus kleinen Spielzeugautos zusammengebaut wurde. Der Kaffee hält, was die Spitzenbewertung versprach – der Kuchen leider nicht.

Und nun kommen wir in die Nähe der großen, wilden Tiere. Julia hatte Inge und mir das Abenteuer zu Weihnachten geschenkt. Neben der Übernachtung in der luxuriösen Garden Route Game Lodge bei Albertinia umfasste das großzügige Präsent jeweils eine Jeep-Safari vor Sonnenuntergang und am nächsten Morgen nach Sonnenaufgang. Damit noch nicht genug: Abends bekommen wir ein dreigängiges Menü und vor der Weiterfahrt am nächsten Vormittag noch ein ausgiebiges Frühstück im Restaurant der Lodge. Bevor wir zur ersten Tour durch den großen Wildpark aufbrechen, gönne ich mir noch ein Bad im Freien. Zuvor hatte mich ein Ranger schon beruhigt. Auf meine ängstliche Nachfrage, ob hier auf dem Lodge-Gelände auch wilde Tiere auftauchen könnten, erhielt ich die klare Auskunft: „No way!“

Dann geht’s wirklich los. Unsere Rangerin ist Suny. Sie stammt aus Kapstadt und fährt seit einigen Jahren Touristen mit ihrem Jeep durch das Game Resort. Mit uns unterwegs sind zwei österreichische Paare. In kurzen Abständen starten etwa zehn größere Geländefahrzeuge in den großflächig umzäunten Wildtier-Bereich. Suny will uns unbedingt zuerst Geparden zeigen. Doch die wilde Fahrt über Sandpisten, durch buschbedeckte Lehmwege und freie Bergrücken bleibt vergebens. Auch ihre Ranger-Kollegen, die sie per Funksprechgerät kontaktiert, können die schnellsten Raubtiere der Welt nicht finden – weder an diesem Abend, noch am nächsten Morgen.

Die Enttäuschung währt nur kurz. Wir würden an diesem Abend noch viele Tiere zu sehen bekommen, versichert uns die Rangerin. Kurze Zeit später deutet sie auf eine freie Ebene, wo wir eine Oryxs-Antilope beim Säugen ihres Jungen beobachten können. Insgesamt gibt es fast 100 unterschiedliche Antilopenarten. Einige davon werden wir noch zu sehen bekommen.

Für das Garden Route Game Resort wird damit geworben, dass Teilnehmer an einer Jeep-Safari gute Chancen hätten, die so genannten „Big Five“ zu sehen zu bekommen. Gemeint sind damit Elefant, Nashorn, Kaffernbüffel, Löwe und Leopard. Diese Spezies gelten als besondere „Jagd-Trophäen“ – heutzutage glücklicherweise vor allem auf Fotosafaris. Wir bekommen an diesem Abend noch zwei dieser Tierarten aus nächster Nähe vor unsere Smartphones. Die Rangerin hat uns allerdings nachdrücklich darum gebeten, keine Bilder von Nashörnern im Internet zu veröffentlichen, weil damit Wilddiebe angelockt werden könnten. Wir halten uns daran und zeigen euch stattdessen einen Kuhreiher. Die folgen großen Säugetieren wie Nashörnern, Büffeln und Elefanten, um aufgescheuchte Insekten zu fangen.

Zuerst steuert Suny eine kleine Gruppe von Breitmaulnashörnern an, die auch als „Weiße Nashörner“ bezeichnet werden. „Macht euch keine Sorgen. Das sind noch Jungtiere und nicht aggressiv“, beruhigt uns die Rangerin, als sich die trotz ihr Jugend mächtig wirkenden Tiere bis auf wenige Meter unserem Jeep nähern. So richtig wohl fühlen wir uns dennoch nicht, machen mit unseren Smartphones dennoch dutzende Fotos und Videoclips. Später werden wir dann noch einen alten Nashornbullen zu sehen bekommen, zum Glück aus größerer Entfernung. Suny meint, dass „mit dem alten Knaben nicht zu spaßen“ sei. Immerhin soll der aggressive Senior 2 m hoch, knapp 4 m lang und annähernd 2,5 Tonnen schwer sein.

Dann beobachten wir Kaffernbüffel, die an einem großen Wasserloch trinken. Aus der Distanz wirken die Tiere wie Kühe mit etwas zu groß geratenen Hörnern. Von wegen. Die Kaffernbüffel würden von Rangern mehr gefürchtet als Nashörner oder gar Löwen, erzählt uns Suny. Besonders Jungbullen und verletzte Tiere könnten sehr aggressiv werden. Bei Angriffen erreichen die bis zu einer Tonne schweren Büffel Geschwindigkeiten von bis zu 55 km/h. Ihre mächtigen Hörner seien „tödliche Waffen“, weiß unsere Begleiterin. Also halten wir besser Abstand und wenden uns nicht ganz so mächtigen und weniger aggressiven Geschöpfen zu.

Nicht weit entfernt von den Büffeln sehen wir an einem leichten Hang einer Gruppe von Zebras beim Grasen zu. Das ist an diesem Tag unsere letzte Begegnung mit wilden Tieren im Garden Route Game Resort. Als uns Hannah im Jeep zurück zum Hauptgebäude des Lodge-Komplexes fährt, freuen wir uns auf das bevorstehende Dinner und noch mehr auf den nächsten Morgen: „Dann zeige ich euch den König der Löwen“, verspricht die Rangerin und bekommt darauf einen kräftigen Applaus der Teilnehmer.
Zu Besuch beim "König der Löwen"

9. Tag – Donnerstag, 30. Januar 2025
- Sunrise Jeep-Safari im Garden Route Game Resort (ca. 2 Stunden)
- Frühstück: Garden Route Game Lodge
- Fahrt nach Stellenbosch (315 km)
- Abendessen: Chez Shiraz, Devonvale Golf & Wine Estate, Bottelary Road, Stellenbosch
- Übernachtung: Rouana Guest Farm, R 304, Stellenbosch, 7599
An diesem Donnerstagmorgen stehen wir gern um 05.00 Uhr morgens auf. An der von unserer Lodge 300 m entfernten Rezeption gibt’s noch schnell einen Kaffee, bevor Suny noch vor 06.00 Uhr mit uns zur „Sunrise Jeep-Safari“ startet, diesmal in einen anderen Teil des Garden Route Game Resorts.

Unser Rangerin hält ihr Versprechen vom Vortag: Fast am Rande des steppenartigen Geländes sehen wir – unseren „König der Löwen“. Der stolziert langsam in gar nicht mal so großer Entfernung an unserem Jeep vorbei, um sich dann im dichten Steppengras niederzulegen. Als er das riesige Maul aufreist, erwarten wir schon den ultimativen Löwenschrei. Doch „unser“ Löwe brüllt nicht – er gähnt nur. Suny erzählt uns, dass er kastriert worden sei, weil es Game Resorts in Südafrika untersagt ist, Nachwuchs der Raubtiere zu züchten.

Weil unser „König der Löwen“ wohl nicht mehr richtig „brüllen“ kann, müssen sich die drei Löwinnen mit sich selbst beschäftigen. In einiger Entfernung liegen zwei von ihnen im Gras und lecken sich gegenseitig genüßlich ab. Irgendwas muss dabei schief gegangen sein. Plötzlich faucht eine der „Damen“ die andere Löwin furchterregend an und haut dazu mit den Vordertatzen nach ihr. Tierpsychologen können diesen Vorgang vermutlich erklären. Wir nicht. Als wir weiterfahren, werden wir noch ein Stück von der dritten Löwin begleitet.

Weiter geht’s zu den zwei Dickhäutern hier im Resort. Die treffen wir an einem Wasserloch, nicht weit entfernt von der umzäunten Ausfahrt. Die beiden Afrikanischen Elefanten würden so ziemlich alles gemeinsam machen, erzählt uns Suny. Tatsächlich sehen sie friedlich aus, wie sie da stehen und ihre mächtigen Körper aneinander reiben. Wir interpretieren die Szene als Abschiedsgruß.

Das war also unsere zweiteilige Jeep-Safari im Garden Route Game Resort. Klar, das ist nicht „Wildlife pur“. Aus unserer Sicht sind die beiden Exkursionen zum Sonnenuntergang und Sonnenaufgang jedoch eine gute Alternative zum Besuch des berühmten Krüger Nationalparks. Der liegt immerhin 1.800 km von Kapstadt entfernt im Nordosten des Landes. Außerdem ist dort im südafrikanischen Sommer (Dezember – Februar) Regenzeit, verbunden mit erhöhter Malariagefahr. Andere Reisende, denen wir auf unserer Tour begegneten, berichteten von einer regelrechten Regenperiode, die sie im Krüger Nationalpark hinter sich hatten und froh waren, endlich den sonnigen Süden erreicht zu haben.

Der Rest dieses Tages ist schnell erzählt: Von der Game Lodge in Nähe der Stadt Albertinia fahren wir durch das Landesinnere auf gut ausgebauten Straßen durch hübsche, zumeist hügelige Landschaften nach Stellenbosch inmitten des südafrikanischen Wine Lands. Im Umland der Stadt haben wir zwei Zimmer in der Rouana Guest Farm für eine Nacht gemietet. Nur vier Kilometer entfernt wollen wir am folgenden Tag ganz früh morgen zu unserer Ballonfahrt über das Wine Land starten.
5. Stellenbosch & Wine Land
Improvisation und Glück im Wine Land

10. Tag – Freitag, 31. Januar 2025
- Frühstück: Basic Bistro, 31 Church Street, Stellenbosch 7600
- Besichtigung des Zentrums von Stellenbosch
- Boschendal Friday Night Market
Boschendal Estate, Pniel Road, Groot, Franschhoek, 7690, Südafrika - Übernachtung (2 Nächte): Fransmanskraal Farm Cottage
Devon Valley Rd, Devon Valley, Stellenbosch, 7613, Südafrika
Gelegentlich muss man im Urlaub auch improvisieren, um schließlich doch noch einen Tag zu „retten“. Uns ist das an diesem Freitag ganz gut gelungen, nachdem frühmorgens die lange im Voraus gebuchte und bereits bezahlte Ballonfahrt über das Wine Land witterungsbedingt abgesagt werden musste. Conrad van Wyk, Pilot und Chef der Firma Balloning Cape Town, versicherte uns, dass der Wind einfach zu stark sei, um eine sichere Ballonfahrt gewährleisten zu können: „Safety first“. Schade, für die nächsten beiden Tage gibt’s keine freien Plätze mehr. Also müssen wir das Wine Land wohl von unten aus erkunden.

Mit freundlicher Unterstützung eines Zimmermädchens können wir uns in der Rouana Guest Farm nochmal zwei Stunden zur Ruhe legen. Eigentlich hatten wir am frühen Morgen dort schon ausgecheckt, allerdings unsere Koffer in der Unterkunft abgestellt, weil man in Südafrika möglichst kein Gepäck im Auto zurücklassen soll.

Zum Frühstück sind wir anschließend ins Zentrum von Stellenbosch gefahren. Mit dem Basic Bistro in der Church Street hat Julia einmal mehr eine richtig gute Wahl getroffen. Ihre „Health Bowl“ ist ordentlich, das Avocado Sandwich mit pochiertem Ei sogar spitze. Noch besser ist, dass unsere Tochter sofort reagiert, als auf ihrem iPhone eine Nachricht eingeht. Die Ballooning-Firma teilt mit, dass für den nächsten Tag kurzfristig noch Plätze frei geworden sind. Julia ruft sofort an und kann für uns drei die Ballonfahrt doch noch retten. Zudem wird für den folgenden Tag auch noch bestes Wetter vorausgesagt. Na bitte, es geht doch!

Jetzt machen wir einen ausführlichen Bummel durch das kleine Zentrum von Stellenbosch. Die zweitälteste Stadt Südafrikas liegt etwa 50 Kilometer östlich von Kapstadt und erstreckt sich entlang des Eerste Rivers. Mit rund 20.000 Einwohnern in der Kernstadt, aber deutlich mehr in der Umgebung, ist sie eine lebendige Mischung aus historischer Architektur, Weinkultur und studentischem Leben. Unser erstes Ziel ist daher auch die Universität von Stellenbosch. Julia hatte im Jahr 2018 während ihres Jurastudiums überlegt, hier ihr Auslandssemester zu absolvieren. Schließlich ging sie damals aber nach Sydney in Australien. Das war durchaus eine gute Idee, wie ihr in unserem Reisetagebuch Australien nachsehen könnt.

Am frühen Nachmittag sitzen wir wieder im Auto und steuern unsere nächste Unterkunft an. Julia hat zwei Nächte für uns im Fransmanskraal Farm Cottage gebucht. Das ist etwa acht Kilometer von Stellenbosch entfernt und liegt inmitten von Weinplantagen. Gut, dass wir einen einigermaßen robusten Mietwagen haben. Auf den letzten zwei Kilometern quält sich unser SUV über steile und schräge Stein- und Sandpisten, bis wir endlich den von mannshohen Sträuchern umgebenen Bungalow erreichen. Draußen gibt’s noch eine Terrasse und einen großen Grillplatz, wo Südafrikaner gern ihr Braai zelebrieren. Ähnlich einem Barbecue werden dabei vor allem Fleisch wie Boerewors (würzige Bauernwurst), Lammkoteletts, Steaks, Hähnchen und Spareribs auf Holzkohle gegrillt.

Das Fransmanskraal Farm Cottage erhielt von früheren Besuchern bei Airbnb ausschließlich Spitzenbewertungen. Das können wir nicht nur wegen der Lage inmitten der Weinplantage nachvollziehen. Noch besser wird’s, wenn man den Bungalow durch die Terrassentür betritt. Vor uns erstreckt sich ein länglicher Hauptraum, der am Ende in den Küchenteil übergeht. Die Einrichtung ist geschmackvoll, die Ausstattung praktisch. Es ist alles da, was man so braucht. Die beiden Badezimmer sind ländlich rustikal eingerichtet, was uns nicht stört. Schade ist nur, dass in zwei von den drei Schlafzimmern die Matratzen so schlecht sind, dass Rückenbeschwerden drohen.

Grillen wollen wir heute Abend nicht, weil wir das auch gar nicht richtig können. Stattdessen fahren wir zum Boschendal Friday Night Market. Der findet 25 km entfernt auf dem gleichnamigen Weingut östlich von Stellenbosch statt. Das Boschendal Wine Estate wurde 1685 von französischen Hugenotten gegründet und ist damit eines der ältesten Weingüter Südafrikas. Heute ist Boschendal für seine preisgekrönten Weine bekannt, insbesondere für Sauvignon Blanc, Chardonnay und klassische Rotweine. Wie in den meisten anderen Weingütern auch, werden auf Boschendal luxuriöse Unterkünfte, gehobene Gastronomie, Weinverkostungen und Kellertouren angeboten. Das frühere Herrenhaus am Eingang des Geländes ist seit dem Jahr 2021 eine Kunstgalerie.

Freitagabend verwandelt sich das Boschendal Wine Estate in einen stimmungsvollen Markt auf dem Steaks, Burger, Meeresfrüchte und auch vegetarische Köstlichkeiten zubereitet werden. Dazu gibt’s ausgezeichnete Boschendal-Weine (nur in Flaschen), Craft-Biere und viele Cocktails. Für Unterhaltung sorgen Live-Bands. Der Freitagsmarkt ist so gefragt, dass eine kostenlose Online-Reservierung jeweils am Montag zuvor erforderlich ist. Das scheint gut zu funktionieren. Bei unserem Besuch ist das Gelände zwar durchaus gut gefüllt, aber nicht überlaufen. Wir erleben eine lockere Atmosphäre und wären gern noch länger geblieben. Weil wir am nächsten Morgen jedoch wieder ganz früh aufstehen müssen, kaufen wir im Gutsladen Brot, Butter, Käse, Obst und eine Weinflasche und fahren zurück auf „unser Weingut“ Fransmanskraal Farm.
Ballooning über dem Wine Land

11. Tag – Samstag, 1. Februar 2025
- Ballonfahrt über der Wein-Region bei Stellenbosch mit „Ballooning Cape Town“ (60 Min.)
- Frühstück: Joostenberg Bistro, R304, Muldersvlei, 7607
- Besichtigung & Brunch: Lanzerac Wine Estate, Lanzerac Rd, Stellenbosch, 4800
- Besichtigung & Abendessen: Babylonstoren Wine Estate, Simondium Rd, Simondium, 7670
Mit einem Tag Verspätung starten wir an diesem herrlichen Samstagmorgen zu unserer Ballonfahrt über das Wine Land. Es ist ein großartiges Gefühl, als wir drei mit zehn weiteren Passagieren in den Korb steigen. Zu diesem Zeitpunkt ist der riesige Ballon bereits weitgehend mit Heißluft gefüllt.

Bevor die Sicherungsseile am Boden gekappt werden, gibt’s noch einige Instruktionen von Conrad van Wyk, Pilot und Chef von Ballooning Cape Town. Der kräftige, grauhaarige (geschätzt) Endvierziger ist nach eigenen Angaben seit 26 Jahren Ballooning-Pilot. Er erzählt später beim Frühstück, dass er die Leidenschaft von seinem Vater habe, der offensichtlich einer der ganz Großen in der Ballonfahrt war. Conrad vermittelt uns von Anfang an das gute Gefühl von Sicherheit.

Den schönsten Augenblick während der einstündigen Fahrt haben wir, als schon kurz nach dem Start gegen 06.00 Uhr morgens die Sonne hinter den Simonsbergen aufgeht und dem Wine Land einen goldenen Glanz verleiht. In etwa 200 m Höhe gleiten wir über Weinplantagen, Felder, Farmen und Landstraßen. Wir können mit bloßem Auge sogar Hasen durch Felder flitzen sehen, so klar ist die Luft hier am frühen Morgen. Herrlicher Bilder ergeben sich auch immer dann, wenn wir aus dem Korb beobachten können, wie sich unser Ballon in Gewässern spiegelt oder seine Schatten auf dem Boden abgebildet werden.

Besonders schöne Erlebnisse gehen meistens viel zu schnell zu Ende – auch diese wundervolle Fahrt mit dem Heißluftballon über das Wine Land. Beim anschließenden gemeinsamen Frühstück haben wir anregende Gespräche mit den anderen Passagieren, die alle aus Südafrika kommen. Unsere Tischnachbarn aus Kapstadt feiern nachträglich Geburtstag. Ein junges Paar hat sich zur Verlobung mit uns gemeinsam in die Luft begeben. Und ich habe das Ballooning Inge und Julia zu Weihnachten geschenkt. Wenn ich in die vor Begeisterung leuchtenden Augen „meiner Mädels“ schaue, war das wohl eine gute Entscheidung.

Vom gemeinsamen Frühstück müssen wir uns bald verabschieden. Schließlich haben wir uns an der Zufahrt zur Fransmanskraal Farm, unserer aktuellen Unterkunft, mit Christian verabredet. Julias Freund wartet schon hinter dem umzäunten Eingang auf uns. Er war über Nacht aus München nach Kapstadt geflogen und hatte sich dann von einem Uber zum Treffpunkt bringen lassen. Unsere „Reisegruppe“ hat von nun an ein weiteres Mitglied – willkommen Christian. Für mich hat das den Vorteil, dass ich nicht mehr selbst fahren muss. Wir hatten bereits bei Übernahme des Mietwagens Christian als weiteren Fahrer eintragen lassen.

Lange Zeit zum Auspacken und für Wiedersehensfreuden lassen wir Christian nicht. Für 11.00 Uhr hat Julia für uns vier einen Tisch zum Brunch auf dem 12 km entfernten Lanzerac Wine Estate reserviert. Das Ambiente im Lanzerac Deli, wo wir einen Tisch auf der Terrasse erhalten, ist piekfein. Es hat den Anschein, dass sich hier die (weißen) Reichen und (nicht immer) Schönen aus dem Wine Land zum sonntäglichen Brunch einfinden. Zumindest scheinen die Gäste um uns herum sehr vertraut mit dem Personal zu sein. Am Ende sind wir überrascht, dass wir trotz dieses feinen Umfeldes umgerechnet kaum 40 Euro für vier Personen zahlen müssen mit Kaffee, Säften, Eierspeisen und Joghurt Bowl.

Neben dem Restaurant befindet sich einer der Weinkeller, der Gästen zur Besichtigung offen steht. Nach einer kurzen Besichtigung schlendern wir über das Gelände und sind beeindruckt von der gepflegten Parkanlage mit prachtvollen Gebäuden, die auf großen Reichtum schließen lassen. Lanzerac wurde Ende des 17. Jh. aufgebaut, kurz nachdem Stellenbosch gegründet worden war. Die bis heute anhaltende Bedeutung als eines der führenden Weingüter am Kap ist auf die britische Geschäftsfrau Elizabeth Catherina ‚Kitty‘ English zurückzuführen. Sie hatte 1920 das damals dahin darbende Gut gekauft und u.a. durch den Anbau neuer Weinsorten den Grundstein für den späteren Erfolg gelegt.

Am späten Nachmittag machen wir uns dann auf den Weg zu einem weitern Weingut im Raum Stellenbosch. Das Babylonstoren Wine Estate ist laut Google Maps etwa 35 Minuten von unserer Unterkunft auf der Fransmanskraal Farm entfernt. Wir sind prima in der Zeit, als wir nur wenige Kilometer vor dem Ziel an einer Straßensperre halten müssen. Nach 20 Minuten Stillstand ergreift Christian die Initiative und bringt uns über eine alternative Route zu dem Anwesen. Wir kommen zwar immer noch so rechtzeitig an, dass wir die für 18.00 Uhr reservierten Plätze im Restaurant Babel at Babylonstoren einnehmen können. Für die Besichtigung des Areals bei Tageslicht bleibt indes kaum mehr Zeit.

Die Plätze hat Julia ohnehin nur mit vorheriger Reservierung und Hinterlegung eines Garantiebetrages bekommen. Nun ja – das Babel genießt einen herausragenden Ruf. Hier werden – so die Eigenwerbung – „saisonale Farm-to-Fork-Gerichte“ serviert. Mit anderen Worten: Es kommen nur frische Sachen von der Farm auf den Tisch. Ob das auch für den ausgezeichneten Weißfisch gilt, den Julia bestellt, bleibt offen. Jedenfalls sind die Steaks, die wir anderen drei ordern, groß und zart. Mein Highlight ist das Melonen-Carpaccio mit Tomaten und Büffelmozzarella zur Vorspeise.
6. Kap-Halbinsel & Kap der Guten Hoffnung
Zurück ans Meer

12. Tag – Sonntag, 2. Februar 2025
- Fahrt von Stellenbosch nach Simon’s Town (100 km)
- Besuch auf dem Bay Harbour Market, Hout Bay
- Mittagessen: Fish on the Rocks, Hout Bay
- Aussichtspunkte am Hout Bay Beach & Chapman’s Peak Drive Lookout Point
- Spaziergang am Boulders Beach
- Abendessen: Pizza-Service im Cottage
- Übernachtung (2 Nächte): Beach Cottage in Simon’s Town 2 Grant Ave, Cape Town
Jetzt waren wir vier Tage lang im Landesinneren unterwegs und freuen uns darauf, wieder ans Meer zu kommen. Aus dem Wine Land fährt uns Christian über Kapstadt an die südwestlich gelegene Hout Bay. Weil wir noch nicht gefrühstückt haben, besuchen wir zuerst den – täglich geöffneten – Bay Harbour Market. Der wurde im Jahr 2010 in einer ehemaligen Fischfabrik unterhalb des Hangbergs eröffnet, nur wenige Meter von der Atlantikküste entfernt. In dem verwinkelten Gebäude gibt’s allerlei Imbissstände und einfache Cafés. An den etwa 100 Verkaufsständen werden vorwiegend Kunsthandwerk, Schmuck, Vintage-Kleidung und Souvenirs angeboten.

Wir haben uns den Frühstückshunger bis zum Mittag aufbewahrt. Christian, der zuvor schon viele Male beruflich in Südafrika war, hat uns „Fish on the Rocks“ empfohlen. Die ziemlich große Imbissbude liegt nur wenige Meter vom zuvor besuchten Markt entfernt. Als wir dort gegen 12 Uhr ankommen, haben sich schon kleinere Warteschlangen vor Kasse und Ausgabe gebildet.

Am besten bestellt man hier Fish and Chips. Wir bekommen köstlich eingebackenen Hake – das ist Seehecht. Die Portionen sind so groß, dass sie leicht für zwei Personen reichen. Während wir unseren Fisch an einem Holztisch vor der Fischbude genüßlich verspeisen, füllt sich das Areal immer mehr. Eine halbe Stunde später haben sich endlos erscheinende Schlangen gebildet. Wir haben Glück gehabt, dass wir rechtzeitig hier waren.

„Fish on the Rocks“ liegt am Ende der Hout Bay, einer muschelförmigen kleineren Bucht an der Westseite der hier beginnenden Kap-Halbinsel. Die schönsten Aussichten haben wir vom gegenüber liegenden Chapman’s Peak Drive. Auf der mautpflichtigen Bergstraße fühlen wir uns zeitweise wie an der italienischen Amalfiküste – nur, dass hier die Fahrbahn deutlich breiter ist.

Unser heutiges Tagesziel ist Boulders Beach in Simon’s Town auf der anderen Seite der Kap-Halbinsel an der False Bay. Das Cottage, in dem Inge und ich unsere letzten Nächte auf dieser Südafrika-Reise verbringen werden, liegt in der zweiten Reihe oberhalb des Strandes. Wir sind begeistert, als wir von der Terrasse des hübschen Cottage aus auf das Meer blicken.

Wir freuen uns darauf, dass wir an diesem Abend mit den Brillenpinguinen eine Spezies wiedersehen werden, die wir schon eine Woche zuvor an der Whale Coast lieb gewonnen hatten. Inge und ich machen deswegen noch vor dem gemeinsamen Abendessen im Cottage einen Spaziergang entlang des Strandes und zur Pinguinkolonie, in der bis zu 1.000 Tiere leben sollen. Wer direkt an den Strand und über einen Bohlenweg zu den putzigen Vögeln gehen möchte, muss hier umgerechnet etwa 10 Euro Eintritt zahlen.

Im Laufe unseres abendlichen Spaziergangs entlang des umzäunten Areals stoßen wir direkt neben dem Plankenweg auf die ersten Pinguine. Wir können gar nicht genug Bilder von den niedlichen Geschöpfen machen, die sich mal gegenseitig liebkosen, Eier brüten oder sich einfach neben uns aufbauen, ganz so als würden sie uns auffordern: „Nun knips mich schon!“
Unser Finale auf der Kap-Halbinsel

13. Tag – Montag, 3. Februar 2025
- Frühstück: Frank’s at Marian’s Place, 32 Gay Rd, Simon’s Town
- Rundfahrt auf der Kap-Halbinsel (ca. 100 km)
– Smitswinkel Bay Viewpoint (Aussichtspunkt)
– Venus Pool (ca. 1 km Fußweg vom Parkplatz
– Kap-Leuchtturm (Cape Point Lighthouse)
– Kap der Guten Hoffnung (Cape of Good Hope)
– Gifkommetjie (Aussichtspunkt)
– Scarborough Beach - Abendessen: Selbst gemacht im Cottage
Am letzten Tag kommen wir endlich an das Kap der Guten Hoffnung und lernen dabei auch, dass Kap und Kap Point nicht dasselbe sind. Für uns ist das einer der Höhepunkte unserer Südafrika-Reise. Das Kap liegt am südwestlichen Ende der 50 km langen Kap-Halbinsel. Etwa die Hälfte der Fläche von 470 km² gehört zu dem unter besonderem Schutz stehenden Tafelberg-Nationalpark. Dabei zählt der Tafelberg selbst nicht zur Halbinsel, sondern lediglich die sich nach Süden anschließenden Berge.

Nach Einfahrt in den Nationalpark (ca. 20 €/Person), legen wir unseren ersten Stop am Smitswinkel Bay Viewpoint ein, der sich direkt an der Straße befindet. Der Aussichtspunkt ist einer der schönsten an der Ostküste der Kap-Halbinsel, die der False Bay zugewandt ist. Etwa 150 m über der Atlantikküste blicken wir auf die Felsenküste, kleine Sandstrände, die zunächst in strahlend grünes und schließlich in tiefblaues Wasser übergehen. Im Hintergrund können wir schemenhaft die etwa 50 km entfernt liegenden Gebirgszüge auf der gegenüberliegenden Seite der False Bay erkennen.

Um an den Venuspool zu kommen, müssen wir unser Auto auf einem kleinen Parkplatz etwa einen Kilometer vor dem Ziel stehen lassen. Hier ist eine Steinbrücke in sich zusammengefallen. Wir haben sogar etwas Mühe das Hindernis zu Fuß passieren zu können. Auf einem kleinen Pfad entlang der Felsenküste erreichen wir schließlich die von flachen Felsen umgebene gerade mal 25 m kurze Lagune, die bei Schwimmern und Schnorchlern deswegen beliebt sein soll, weil das Meerwasser hier klarer und ruhiger ist, als wenige Meter weiter am offenen Felsenstrand. Uns ist das Wasser mit – gefühlt – kaum 18 Grad allerdings zu kalt, um zu baden. Deswegen klettern wir lieber auf den vorgelagerten Felsen herum, bevor wir zu unserem Auto zurückgehen und unsere Tour über die Kap-Halbinsel fortsetzen.

Um die Mittagszeit erreichen wir den Parkplatz, von dem aus wir zu Fuß bis zum alten Cape Point Lighthouse in 238 m Höhe hinauf wandern könnten. Wir entscheiden uns aus Zeitgründen für die Berg- und Talfahrt mit der Standseilbahn. Von der Bergstation muss man dann lediglich noch die letzten 20 Höhenmeter bis zum Leuchtturm hinaufklettern. Der 1860 errichtete und inzwischen stillgelegte Turm kann zwar nicht betreten werden, von der Plattenform am Fuße haben wir jedoch atemberaubende Aussichten unter anderem auf einen tiefer liegenden Felsvorsprung mit dem neuen Leuchtturm. Spektakulär ist auch die Aussicht über den Diaz Beach hinweg zum Kap der Guten Hoffnung.

Der nur etwa 70 m hohe äußere Felsen, der das eigentliche Kap der Guten Hoffnung markiert, liegt nur wenige Kilometer östlich des Cape Points an der Südostspitze der Kap-Halbinsel. Das Kap der Guten Hoffnung wurde 1488 von dem portugiesischen Seefahrer Bartolomeu Diaz entdeckt. Seinen Namen erhielt die Landspitze, weil man seinerzeit hoffte, hier neue Handelswege nach Indien zu entdecken.

Als wir zum kleinen Parkplatz mit dem seitlich platzierten Schild „Cape of Good Hope. The most southern-west point of the African Continent“ kommen, sind wir erstaunt, dass wir hier nur wenige Touristen antreffen. Vorher am Cape Point waren wir noch mit hunderten Besuchern unterwegs, hier sind es gerade mal ein paar Dutzend. Tatsächlich ist es wohl so, dass sich viele Südafrika-Reisende mit dem Besuch des Leuchtturms am Cape Point begnügen, weil sie gar nicht wissen, wo das „richtige“ Kap der Guten Hoffnung liegt. Während Inge und ich den südwestlichsten „Zipfel“ Afrikas von unten aus betrachten, klettern Julia und Christian hinauf auf den Felsen, was sie in wenigen Minuten schaffen.

Markant für das Kap der Guten Hoffnung sind auch die vorgelagerten flachen Felsen, an denen die Gischt hochschäumt und wo es sich die Südafrikanischen Seebären in der Sonne gemütlich machen. Ihre Verwandten, die Australischen Seelöwen, hatten wir bereits während unserer Reise im August 2018 auf Kangaroo Island besucht. Damals hatten wir gelernt, dass diese Spezies durchaus gefährlich sein kann. Hier im Süden Afrikas halten wir deswegen respektvoll einigen Abstand zu den Seebären. Immerhin sind die Männchen in der Regel über 2 m lang und fast 300 kg schwer. Weibchen erreichen die Hälfte an Körperumfang und Gewicht.

Wir setzen jetzt unsere Fahrt an der Westküste der Kap-Halbinsel fort. Den nächsten Halt machen wir an der Gifkommetjie, zu deutsch „Giftschale“. Das ist ein weiterer Aussichtspunkt, der auch die Möglichkeit zu einigen Klettereien bietet. Wir bleiben lieber oben auf dem Felsen und fotografieren uns gegenseitig vor dieser erneut herrlichen Kulisse in etwa 80 m Höhe über dem Atlantik.

Später sehen wir am Straßenrand Paviane, die offenbar im Familienverband einen Wildtierzaun überklettern und direkt an unserem Auto vorbei auf der anderen Straßenseite im Gebüsch verschwinden. Diese irgendwie finster dreinschauenden „Baboons“, wie sie hier genannt werden, sind alles andere als Kuscheltiere. Als sie in die Nähe unseres Autos kommen, schließen wir schnell die Fenster. Der Vermieter unseres Cottage am Boulders Beach hatte uns bereits gemahnt, nichts Essbares auf der Terrasse liegen zu lassen, weil damit Paviane angelockt werden könnten – und die seien sehr gefährlich.

Einigermaßen sicher vor Pavianen und anderen wilden Tieren fühlen wir uns später am Strand von Scarborough. Das ist ein Nobelbadeort an der Westküste der Kap-Halbinsel mit einem wunderschönen weißen Sandstrand, der ganz seicht in den Atlantik führt. Jetzt wird es langsam Zeit, dass wir uns von Julia und Christian verabschieden. Die beiden Turtelnden haben noch einige gemeinsame Tage in Kapstadt, bevor auch Christian wieder nach Deutschland zurückfliegen muss. Julia arbeitet derweil in Kapstadt weiter an ihrer Dissertation und wird dann Ende Februar ebenfalls nach Deutschland zurückkommen.

Wir sind einmal mehr froh und dankbar, dass wir diese wunderbare Reise nach Kapstadt und entlang eines Teils der Südküste Südafrikas gemeinsam erleben durften. Diesmal gilt der besondere Dank Julia für die Vorbereitung und Umsetzung dieser schönen Tage. Vielleicht können wir euch mit Veröffentlichung unseres Reisetagebuchs ein paar Anregungen für euren ersten – oder nächsten – Besuch dieses wundervollen Landes geben.