Mit Schnutenpulli durch den Sommer

Die mehr oder weniger schicken Gesichtsmasken werden uns durch den Hamburger Sommer begleiten – soweit dieser angesichts der augenblicklichen Wetterlage überhaupt noch stattfindet. Der Senat will erst Mitte August über eine weitere Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen entscheiden. Dann könnte auch die so genannte “Maskenpflicht” beim Einkaufen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln fallen. Nach unseren Eindrücken haben Besucher*innen Hamburgs kaum Probleme mit diesen Einschränkungen. | Titelbild: Hamburgs Original “Zitronenjette” mit “Maske”

Peter Tschentscher bei der Landespressekonferenz am 30. Juni 2020

Angesichts von Temperaturen, die manchmal nur mit Mühe zweistellig werden, scheint in Hamburg – wie in ganz Norddeutschland – eine “Pulloverpflicht” zurzeit wohl eher notwendig zu sein, als die so genannte “Maskenpflicht” beim Einkaufen, Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln und einigen wenigen anderen Gelegenheiten. Obwohl in der Hansestadt seit Wochen die neu gemeldeten Corona-Fälle auf einem äußerst niedrigen Niveau sind, will Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher frühestens nach Ende der Hamburger Schulferien Mitte August über weitere Lockerungen, verbunden mit einer etwaigen weiteren Reduzierung bzw. Abschaffung des Mund- und Nasenschutzes entscheiden. 

Für diese vorsichtige Haltung findet der Sozialdemokrat, der zuletzt wegen des “lockeren Zusammenkommens” seines Innensenators Andy Grote selbst in die Kritik geraten war, breite Zustimmung im Senat, sogar bei der Opposition und offenbar auch bei der Mehrheit seiner “Untertanen”. In Umfragen, die beispielsweise vom öffentlich-rechtlichen Regionalsender NDR 90,3 durchgeführt wurden, wollen die meisten Hamburger*innen ihrem Ersten Bürgermeister folgen. Wenig  Probleme mit den “Masken” haben offensichtlich auch die meisten Besucher*innen unserer Stadt, wie wir in den vergangenen Wochen immer wieder selbst beobachten konnten.

Kamerafrau mit Maske bei Dreharbeiten an der Binnenalster
Besucherin mit "Maske" im Miniatur Wunderland

So zum Beispiel auf der Plaza der Elbphilharmonie am Montagabend: Zwar sind zu diesem Zeitpunkt nur wenige Besucher*innen auf der Aussichtspromenade der  Elbphilharmonie in 37 Metern Höhe. Dennoch tragen alle, die wir hier oben treffen, Mund- und Nasenschutz. Ein Ordner bestätigt uns auf Nachfrage, dass die “meisten Gäste Masken” trügen, obwohl sie das gar nicht müssten. Tage zuvor hatten wir schon im Miniatur Wunderland gleiche Erfahrungen gesammelt. In der weltweit größten Modelleisenbahn in der Speicherstadt sind die Besucherkapaziäten im Zusammenhang mit den Corona-Schutzmaßnahmen ohnehin erheblich gesenkt worden. 

Mund- und Nasenschutz in Hamburg
  • In allen öffentlichen Verkehrsmitteln wie Busse, Bahnen (U- und S-Bahnen), Hafenfähren
  • In allen Geschäften des Einzelhandels sowie auf Wochenmärkten
  • In Einrichtungen und an öffentlichen Orten – wo ausdrücklich darauf hingewiesen wird

Probleme gab’s in letzter Zeit häufiger mal in Bussen und Bahnen, wo einzelne Fahrgäste die “Maskenpflicht” entweder ganz ignorieren oder nur lax handhaben, indem der Schutz nicht Mund und Nase, sondern höchstens das Kinn bedeckt. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher will das so nicht länger hinnehmen: “Die Beförderung kann verweigert werden, wenn die Regelung nicht eingehalten wird”, sagte er schon auf der bislang letzten “Corona-Pressekonferenz” am 30. Juni. Bußgelder müssen Fahrgäste ohne Maske indes nicht befürchten – wie aus dem aktuellen “Bußgeldkatalog zur SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung” hervor geht.  

Mund- und Nasenschutz muss auch an Haltestellen und Bahnhöfen getragen werden
"Schnutenpullis" auch auf den Hafenfähren

Auf den Hafenfähren der HADAG, wo die “Maskenpflicht” ebenso gilt wie in Bussen und Bahnen, wenden sich Schiffsführer*innen gelegentlich mit eindringlichen Lautsprecherdurchsagen selbst an Verweigerer: “Wenn ihr schon die Füße auf die Stühle legt, dann setzt euch wenigstens Masken dazu auf”, forderte eine Schiffsführerin auf der Linie 62 zwischen Neumühlen und Dockland eine Gruppe Jugendlicher auf. Ihr Kollege auf der “64” wurde nach der Abfahrt in Finkenwerder noch deutlicher: “Wenn ihr nicht gleich den Schnutenpulli aufsetzt, ist für euch am Rüschpark die Fahrt zu Ende – und da wollt ihr nicht wirklich hin”, hallte es über Deck. Mit sichtbarem Erfolg.