6. Gibraltar: Top of the Rock

Der „Affenfelsen“ – wie der Upper Rock mit seinen dort lebenden Berber-Affen häufig genannt wird, ist wegen seiner atemberaubenden Aussichten auf zwei Kontinente, drei Länder und zwei Meere die wichtigste Attraktion Gibraltars. Das britische Überseegebiet ist dazu auch (noch) ein Einkaufsparadies, in dem mit Euro gezahlt werden kann und vorwiegend Englisch gesprochen wird. | Direkt zu den Tipps für Gibraltar

       Ganze Route im Überblick

Der Felsen von Gibraltar

Dass Gibraltar “very british” ist, fällt bald auf, nachdem man Mein Schiff 2 am Cruise Terminal verlassen hat: In den Gassen des winzigen Überseegebiets der Krone pa­t­rouil­lie­ren Bobbys, Telefonzellen sind rot und in den Pubs wird englisches Bier gezapft. 1704 hatten die Briten mit niederländischer Unterstützung unter Admiral George Rooke den Spaniern die kleine Halbinsel mit dem mächtigen Felsen abgenommen und sind seitdem einfach geblieben. Damit die Nachbarn nicht auf dumme Gedanken kamen, wurden mächtige Verteidigungsstellungen ausgebaut und Tunnel in den Felsen getrieben.

Gibraltar ist very british (Bild: Egon Herzog)
Straße kreuzt die Landebahn des Flughafens

Sonderlich herzlich ist das Verhältnis zu den Spaniern immer noch nicht. Zumindest einigte man sich 1987 darauf, dass der Flugplatz von Gibraltar auch zivil genutzt werden darf. Wenn Maschinen starten und landen, muss die Winston Churchill Avenue gesperrt werden, weil die Hauptverkehrsstraße die Startbahn kreuzt. Der Platz ist knapp, schließlich müssen 35.000 Einwohner auf 6,3 qkm untergebracht werden. Dazu kommen täglich noch einmal – je nach Saisonzeit – 8.000 bis 12.000 spanische “Gastarbeiter”, die in der Hotellerie, Gastronomie und in den zahlreichen Shops Beschäftigung finden.   

Tipps für Gibraltar

Hinweis: Durch Aufruf der nachfolgenden Rubrik “Gibraltar mit Google Maps” mit der Umschalttaste werden von Google auch Daten über die Nutzung der Kartenfunktionen durch Besucher erhoben, verarbeitet und genutzt. Weitere Hinweise finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Zur besseren Unterscheidung und Einordnung sind Ziele im Naturschutzgebiet Upper Rock mit Buchstaben gekennzeichnet. Die mit Ziffern gekennzeichneten Punkte liegen ebenerdig unterhalb des Felsens.

1 Kreuzfahrtterminal: Der Liegeplatz von Mein Schiff 2 am Cruise Terminal ist etwa einen Kilometer von der Innenstadt entfernt. Wer keinen Ausflug gebucht hat, wird am Hafenausgang von – nicht allzu aufdringlichen – Taxifahrern und Minibusbetreibern erwartet. Im Gegensatz zu Agadir reicht hier jedoch ein “no, thank you”, um den Fußweg bis zum Market Place am Eingang zur Innenstadt ungestört fortsetzen zu können. Der Market Place Terminus ist der zentrale Busbahnhof von Gibraltar. Bezahlt wird beim Fahrer, auch in Euro.

Mein Schiff 2 am Kreuzfahrtterminal
Grand Casemates Square

2 Grand Casemates Square: Am Busbahnhof geht man durch das Stadttor und ist damit schon im Herzen von Gibraltar. Der Grand Casemates Square hat seinen Namen von der Festung, die hier im Jahr 1817 zur Abwehr von Feinden sichergestellt wurde. Heute ist der Platz der Mittelpunkt des Überseegebiets mit Restaurants, Cafés und typisch britischen Pubs und auch Zentrum des pulsierenden Nachtlebens von Gibraltar.

3 Main Street: Das ist eine endlos erscheinende Fußgängerzone mit unzähligen Geschäften, die vom Grand Casemates Square über mehr als einen Kilometer fast bis zur Seilbahn-Station führt. Gibraltar ist so ein richtiges Shopping-Paradies – behaupten diejenigen, die etwas davon verstehen. Ihr kauft in jedem Fall Mehrwertsteuer frei ein – so sind klassische Duty-Free-Produkte wie Tabakwaren, Alkohol und Parfum besonders günstig, aber auch Kaschmir und Seide sowie Elektronik und Kameras aller Art. Ähnlich wie die Kanaren, gehört auch Gibraltar nicht zum „Zollinland“ der EU; damit sind die Freigrenzen beschränkt für die spätere Einfuhr nach Spanien (Mallorca) bzw. Deutschland. 

Die Main Street ist die Haupteinkaufsstraße
Die Seilbahn kurz vor der Bergstation

4 Cable Car: Die Talstation der Seilbahn befindet sich am Ende der Main Street, kurz vor dem Botanischen Garten, der übrigens auch einen Besuch wert ist. Die unter schweizerischer Anleitung in den 1960er Jahren gebaute Kabinenbahn führt in sechs Minuten auf den Upper Rock in 412 Meter Höhe. Schon bei der Fahrt ist die Aussicht auf den Hafen und die Bucht von Algeciras traumhaft. Berg- und Talfahrt kosten ca. 25 Euro. Man kann auch ein Kombi-Ticket erwerben, das die Eintrittsgebühren zu den meisten Attraktionen auf dem Felsen sowie die Talfahrt ab Mittelstation für ca. 33 Euro enthält. Alternativ könnte man auch zu Fuß auf den Felsen klettern (ca. 2 Stunden, 400 Höhenmeter) oder per Taxi bzw. Kleinbus hinauffahren.

A Top of the RockAuf der Bergstation werdet ihr sicher schon von den Berberaffen erwartet, die keinesfalls gefüttert werden dürfen. Ratsam ist es zudem, auf Brillen aufzupassen und Rucksäcke abzunehmen, weil diese von den Affen gern als Landeplätze genutzt werden. Auch wenn vor allem die jüngeren Tiere recht putzig wirken, solltet ihr den Affen nicht zu nahe kommen, weil die auch schon mal kratzen oder sogar zubeißen. Konzentriert euch lieber auf die spektakuläre Aussicht – zum Beispiel hinüber auf die Start- und Landebahn des nicht alltäglichen Flughafens von Gibraltar. Ich habe es diesmal wieder nicht geschafft, eine landende Maschine zu fotografieren – vielleicht habt ihr ja mehr Glück.

Blick vom Felsen auf die Startbahn des Flughafens
Blick auf die mit 426 m höchste Stelle des Felsens

B Rock of Gibraltar: Die mit 426 m höchste Stelle des Felsens von Gibraltar liegt im Norden Richtung Spanien und ist von der Bergstation der Seilbahn etwa 1 km entfernt. Allerdings sind auf der Strecke etliche Höhenmeter zu überwinden. In der Nähe des höchsten Punktes befindet sich auch der Great Siege Tunnel, den die Briten hier Ende des 18. Jh. bei einer mehrjährigen Belagerung durch die Spanier angelegt hatten. In der ebenfalls in der Nähe liegenden Ausstellung „City under Siege“ werden Eindrücke aus der Zeit der Belagerung vermittelt. Der Eintritt zu beiden Sehenswürdigkeiten ist im „Kombi-Ticket“ (siehe 4) enthalten..

C Saint Michael`s Cave: Wenn ihr von der Bergstation der Seilbahn (Top of the Rock) nach Süden geht, kommt bald der im März 2018 eröffnete Sky Walk, der in 340 m Höhe ein Stück hinaus über der Ostküste führt. Weiter geht’s zur Saint Michael‘s Cave, der bekanntesten unter den 150 Höhlen im Felsen von Gibraltar. Atemberaubend schön sind hier die Stalaktiten und Stalagmiten, also die von der Höhlendecke herunterhängenden Tropfsteine bzw. die aus dem
 Höhlenboden aufwachsenden Tropfsteine. (Sky Walk und Höhle sind im Kombi-Ticket enthalten).


Die farbenprächtige Saint Michael's Cave
Aussicht bis nach Marokko von O'Hara's Battery

DO’Hara’s Battery: Der Gefechtsstand auf dem höchsten Punkt im südlichen Teil des Felsens, benannt nach dem früheren Gouverneur Charles O’Hara, wurde 1890 ausgebaut und wurde zuletzt während des Zweiten Weltkriegs besetzt, in dem Gibraltar jedoch nicht angegriffen wurde. Zu besichtigen gibt’s hier Geschütze, Unterkünfte und einen Tunnel. Wesentlich spektakulärer ist jedoch die Aussicht hinüber nach Marokko auf dem afrikanischen Kontinent (ebenfalls im Kombi-Ticket enthalten). 

5Europa Point: Auf der Landzunge an der Südostspitze von Gibraltar sollen im Jahr 711 die Mauren ihren Siegeszug über die iberische Halbinsel begonnen haben. Der Leuchtturm „Europa Point Lighthouse“ am Ende der Landzunge wurde 1841 erbaut und wird seit 1994 automatisch betrieben. Der Turm selbst ist nur 20 Meter hoch – die Höhe über dem Wasser beträgt 49 m. Die Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee, ein Geschenk des damaligen
 saudi-arabischen Königs Fahd, wurde Mitte der 1990er Jahre errichtet.  Zu diesem respektablen Bau gehören auch eine Schule, eine Bibliothek und ein Hörsaal. Dennoch beträgt der Anteil der muslimischen Bevölkerung in Gibraltar weniger als 4 Prozent. 

Der Europa Punkt mit Leuchttturm und Moschee
Weltkulturerbe Gorham's Cave

Gorham‘s Cave: Auf der Ostseite von Gibraltar besteht die Möglichkeit, von einer Plattform aus die berühmte Gorham‘s Cave zu sehen. Hier wurden Holzkohlereste gefunden, die etwa 28.000 Jahre alt sein sollen. Dabei könnte es sich um Spuren der letzten Neandertaler handeln. Die Höhle selbst ist nur etwa 40 Meter tief und wird zum Ausgang am Meer immer breiter. Sie  gehört seit 2016 zum Weltkulturerbe.

7 Sandy Beach: Vermutlich werdet ihr als Kreuzfahrer in Gibraltar nicht zum Baden gehen. Dennoch will ich noch darauf hinweisen, dass es hier fünf Strände gibt, die neben dem Felsen und der günstigen Einkaufsmöglichkeiten in den letzten Jahren immer mehr Urlauber angezogen haben. Stellvertretend seht ihr hier den Sandy Beach, den unser Gast Egon Herzog oben vom Felsen aus fotografiert hat. Beliebt ist weiterhin auch die Catalan Bay, die vor dem gleichnamigen früheren Fischerdorf ebenfalls wie der Sandy Beach an der Mittelmeerseite gelegen ist.  

Sandy Beach (Bild: Egon Herzog)
Fish & Chips - in Gibraltar besonders lecker

Fish & Chips und der Brexit: Wenn ihr dieses Riesenprogramm in Europas drittkleinstem Land bewältigt habt, dürft ihr euch gern noch eine Portion Fish & Chips in einem der vielen Lokale in der Main Street oder den angrenzenden Straßen gönnen. Das britische Nationalgericht habe ich noch nie so gut gegessen wie ausgerechnet in Gibraltar. Trotzdem mögen die Gibraltarer nicht alles, was im Stammland “verzapt” wird;  insbesondere den Brexit nicht. Bei der Volksabstimmung im Juni 2016 haben sie fast geschlossen gegen den Austritt Großbritanniens aus der EU gestimmt.